Energie

Nach der Pleite: Flexstrom-Gründer sollen zahlen

Insolvenzverwalter fordert Millionen von Mundt-Brüdern

Nach der Pleite des Berliner Stromanbieters Flexstrom fordert der Insolvenzverwalter Millionen von den Gründern des Unternehmens, Robert und Thomas Mundt. Die Brüder sollen kurz vor der Insolvenz gemeinsam mit zwei weiteren Eigentümern sechs Millionen Euro eingestrichen haben, nachdem sie die verlustreiche eigene Firma Optimal Grün GmbH an die Flexstrom AG verkauft hatten, wie aus einem Bericht des Insolvenzverwalters Christoph Schulte-Kaubrügger hervorgeht.

Flexstrom hatte im April 2013 wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet, wenig später folgte die Gasversorgungstochter Flexgas. Angesichts von mehreren hunderttausend Kunden deutschlandweit ist es eine der größten Pleiten in der Geschichte der Bundesrepublik und nach Teldafax der zweite große Pleitefall auf dem deutschen Energiemarkt. Inzwischen ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft gegen die Verantwortlichen wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und Betrug.

Nach dem Bericht an die Gläubiger vom 27. September 2013 geht Schulte-Kaubrügger davon aus, dass die Mundt-Brüder eine Versicherung für Pflichtverletzungen von Vorständen für seine Forderung in Anspruch nehmen können. Diese decken Schäden von bis zu fünf Millionen Euro ab. Der Insolvenzverwalter hält zudem eine Prämie von 1,7 Millionen Euro für ungerechtfertigt, die das Unternehmen wenige Monate vor der Insolvenz einem seiner Topmanager zubilligte.

Die Aufmerksamkeit des Rechtsanwalts erregte auch der Fuhrpark des Unternehmens und seiner Gründer. Zu den Firmenfahrzeugen zählten mehrere geleaste Luxuswagen, darunter ein Bentley-Cabrio mit dem Kürzel RM im Kennzeichen. Robert Mundt kaufte seinem Unternehmen nach dem Bericht unter anderem einen Geländewagen und ein Motorrad ab, konnte sein Eigentum jedoch auch belegen.

Von der Pleite sind 835.000 Kunden und frühere Kunden betroffen. In Berlin sollen es 40.000 Geschädigte sein. Bis Ende September machten 130.000 von ihnen ihre Forderungen mit einer Summe von 70 Millionen Euro geltend. Flexstrom hatte Kunden mit niedrigen Einstiegspreisen gelockt. Viele kehrten dem Unternehmen aber den Rücken, bevor die kostendeckenden höheren Preise fällig wurden.

Nach Schulte-Kaubrüggers Angaben hatten etwa 90 Unternehmen überlegt, Flexstrom zu kaufen und zu sanieren – nach Einblick in die Bücher blieb jedoch kein Interessent übrig. Ende Oktober räumt das Unternehmen seine Zentrale am Reichpietschufer in Berlin. Flexstrom ist dort Mieter und schuldet dem Vermieter nach dem Bericht noch rund 187.000 Euro.