Energie

Warum die Stromrechnung noch höher ausfällt

Ökostrom-Umlage soll auf 6,3 Cent steigen. Haushalte belastet das mit 220 Euro im Jahr

Die Verbraucher müssen sich auf höhere Stromrechnungen einstellen. Die über den Strompreis zu zahlende Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien wird 2014 voraussichtlich auf rund 6,3 Cent je Kilowattstunde (kWh) steigen. Bisher werden 5,277 Cent je kWh fällig, was einen Durchschnittshaushalt mit 3500 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr 185 Euro kostet. Damit würde dieser Posten nächstes Jahr auf rund 220 Euro steigen – insgesamt werden derzeit rund 1000 Euro an Stromkosten bei einem Verbrauch von 3500 kWh im Jahr fällig.

Allerdings seien noch kleinere Veränderungen bei der Umlage möglich, hieß es. Die endgültige Umlage für 2014 wird am 15. Oktober von den vier Betreibern der Stromautobahnen bekannt gegeben –sie kümmern sich um Verkauf und Vergütung des Stroms.

Im Erneuerbare-Energien-Gesetz werden für jede Kilowattstunde Strom aus Solar-, Wind- und Biomasseanlagen auf 20 Jahre garantierte Vergütungen festgelegt. Die Höhe ist abhängig vom Anschlussdatum. Die Differenz zwischen dem am Markt für den Strom erzielten Preis und der festen Vergütung bildet die EEG-(Ökostrom)-Umlage.

Auch weil immer mehr Industrierabatte zu zahlen sind, treibt dies die Kosten der Bürger. Wurden 2009 erst 5,27 Milliarden Euro über die Umlage auf die Strompreise aufgeschlagen, sind es nun 20,3 Milliarden Euro im Jahr. Davon tragen laut Branchenverband BDEW die Haushalte 7,2 Milliarden, die Industrie 6,1 Milliarden Euro. Der Rest entfällt unter anderem auf Handel, Verkehr und öffentliche Einrichtungen.

An der Börse sinkt der Preis

In diesem Jahr ist allerdings nicht vorrangig der Bau neuer Wind- oder Solaranlagen für den erneuten Anstieg verantwortlich. Sondern ein paradoxer Effekt. Nach Branchenschätzungen liegt rund die Hälfte des Anstiegs im Einbruch der Börsenstrompreise begründet.

55 bis 60 Euro pro Megawattstunde Strom gab es in guten Zeiten für die Erzeuger. Jetzt sind die Börsenstrompreise unter anderem wegen des großen Angebots an Wind- und Sonnenstrom auf 37 bis 38 Euro für die Einheit abgesackt. Mitunter wird sogar ein negativer Preis erzielt.

Am sonnigen Tag der Einheit war es zum Beispiel wieder soweit: Viel Sonnen – und Windstrom am Mittag (insgesamt 31 000 Megawatt) bei wenig Verbrauch ließen die Preise im kurzfristigen Verkauf an der Börse EPEXSpot purzeln. Es kam zu negativen Strompreisen. Zwischen 13 und 15 Uhr mussten 50 Euro je Megawattstunde an Abnehmer des Stroms draufgezahlt werden.

Denn zusätzlich produzierten Atom-, Gas- und Kohlekraftwerke zu der Zeit rund 26 000 Megawatt. Atom- und Kohlekraftwerke sind meist nicht flexibel genug, um bei viel Ökostrom rasch runtergefahren zu werden. Gibt es für den Ökostrom aber im Verkauf immer weniger Geld wächst automatisch die Differenz zu den auf 20 Jahre festgelegten festen Vergütungssätzen.Und damit die Umlage. Bisher betragen die Differenzkosten 20,3 Milliarden Euro pro Jahr. 2014 wird es mehr. Somit senkt der Zuwachs an Ökostrom und die weiter hohe Kohlestromproduktion zwar die Einkaufspreise für Strom – diese Ersparnisse werden aber kaum an die Verbraucher weitergegeben. Ihre Endkundenpreise steigen – auch durch eine automatisch mitsteigende Mehrwertsteuer und höhere Netzentgelte.

Besonders der Ausbau im Solarbereich ist in diesem Jahr geringer als 2012. Der Bundesverband erneuerbarer Energien (BEE) rechnet mit 3500 Megawatt (MW) an neuer Solarleistung, 2800 MW Windkraft an Land und 220 MW Windkraft auf See. Dieser Zubau schlägt laut BEE bei der um rund einen Cent steigenden Umlage nur mit etwa 0,15 Cent zu Buche.

Kanzlerin Angela Merkel(CDU) strebt angesichts der hohen Kosten eine rasche Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes an. Allerdings kann die Politik nichts mehr ändern an dem bisher angefallenen Förderberg – denn die Zahlungen sind auf 20 Jahre garantiert und können wegen des Bestandsschutzes nicht rückwirkend gekappt oder gestrichen werden.