Medien

Von Angst und Glück der Medienbranche

Die Fachmesse „World Publishing Expo“ in Berlin zeigt Zukunftswege des Journalismus

Es sind zwei Geschichten, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Eine handelt von Glück, die andere von Angst. Doch über beide Geschichten dürften die Verleger und Technik-Experten gleichermaßen diskutieren, die seit Montag aus aller Welt zur „World Publishing Expo“ in Berlin sind. Bis Mittwoch präsentieren sie sich auf dem Gelände am Funkturm.

Über Glück kann Andrew Miller, CEO vom britischen „Guardian“ berichten. Die Zeitung war früher die zweitkleinste in England. Nun erreicht sie viele Millionen Leser in allen englischsprachigen Ländern dieser Welt. Bei seinem Vortrag projiziert Miller einen Bildschirm an die Wand, auf dem in Echtzeit angezeigt wird, was Menschen auf der Webseite des „Guardian“ suchen – und woher sie kommen. Israel, Australien, England, USA, Indien. Aus diesen Ländern tippen Menschen Anfragen in die Suchmaske, von Kochrezepte für Linsensuppe über Informationen zur NSA-Spionageaffäre bis zur Kritik des jüngsten Konzertes mit dem Dirigenten Daniel Barenboim in Berlin. Das ist möglich, weil digitale Inhalte anders als gedruckte Zeitungen überall verfügbar sind. Miller sagt: „Es gibt so viele Möglichkeiten, wir sind erst am Anfang.“

Über Angst spricht dagegen der US-Autor Ken Doctor. Er zeigt in seinem Vortrag, wie viel es für die Branche zu verlieren gibt. 2,5 Milliarden Menschen lesen weltweit täglich eine geruckte Zeitung. Das sind so viele Menschen, wie überhaupt das Internet nutzen. Rund 200 Milliarden Euro Umsatz macht die Branche damit pro Jahr. Zum Vergleich: Der US-Technologiekonzern Apple machte im vergangenen Jahr 160 Milliarden Euro Umsatz. Gleichzeitig sind die Einnahmen mit Anzeigen in gedruckten Titeln seit dem Jahr 2007 um 39 Prozent eingebrochen. Die Branche komme aus erfolgreichen Jahrzehnten, sagt Ken Doctor. „Doch wissen wir derzeit nicht, in welche Zukunft wir gehen.“

Gute Geschichten bleiben der Kern

Dabei ist die Zeitung auf dem Höhepunkt ihrer technischen Möglichkeiten. Wer sich umschaut auf der Messe, sieht Maschinen, die Papier in aberwitzigen Mengen in brillanter Qualität bedrucken und sortieren können. Aber wie lange werden sie noch gebraucht?

Für Mathias Döpfner, Vorstandschef der Axel Springer AG (in der auch die Berliner Morgenpost erscheint) ist zumindest eine Sache klar: Es gebe kein Wachstum mehr auf dem Markt für Gedrucktes, sagt er. Damit sei der Bereich Print für ihn auch kein nachhaltiges Geschäftsmodell mehr. Dennoch: „Die besten Zeiten für das Publizieren liegen noch vor uns“, sagt Döpfner. Es gehe auch im Digitalen weiter um den Kern des Journalismus: spannende Inhalte. „A good story is a good story is a good story“, sagt Döpfner weiter.

Zur Frage aus dem Fachpublikum, ob der angekündigte Verkauf von Springer-Titeln an die Funke Mediengruppe (darunter auch die Berliner Morgenpost) nun der „finale Shutdown“ für gedruckte Zeitungen in der Axel Springer AG sei, sagt Döpfner: „Das ist keine Entscheidung für oder gegen Print gewesen.“ Zur Erklärung seiner Strategie sagt Döpfner, er glaube, dass regionale Zeitungen in einem starken Verbund mit anderen regionalen Zeitungen eine gute Zukunft hätten. Zum bevorstehenden Start einer deutschen Ausgabe der US-Onlinezeitung „Huffington Post“ sagte Döpfner, er denke, dass diese eine gute Rolle in der Medienlandschaft spielen könnte – wenn sie denn auch ihre Leser zur Kasse bitte und ihre Autoren bezahle. Begeistert zeigt sich Döpfner dagegen vom Kauf der „Washington Post“ durch den Amazon-Chef Jeff Bezos für 250 Millionen Dollar: „Für diesen Preis hätten wir die Washington Post auch gekauft.“