Fluggesellschaften

Etihad-Chef beklagt Verzögerungen beim BER

Investor und strategischer Partner von Air Berlin weiht neue Europa-Zentrale am Potsdamer Platz ein

James Hogan war nach Berlin gekommen, um die neue Europa-Zentrale von Etihad einzuweihen. Doch anstatt den Ausblick vom achten Stock eines Gebäudes am Potsdamer Platz zu rühmen oder die Erfolgsgeschichte von Etihad zu beschreiben, musste der Airline-Chef erst einmal ausführlich über Probleme sprechen, mit denen er eigentlich nur indirekt zu tun hat. Das waren allen voran die Verzögerungen beim Bau des neuen Hauptstadtairports BER und die finanziellen Schwierigkeiten der Air Berlin. Etihad hält mittlerweile 29 Prozent der Anteile von Air Berlin. Für Air Berlin war dieser Einstieg Ende 2011 die finanzielle Rettung. Sie wird seither regelmäßig direkt oder indirekt von Etihad unterstützt. Ob die nationale Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate falls nötig erneut einen Kredit bereitstellen oder weitere Anteile erwerben würde, ließ Hogan bewusst offen.

Gleichzeitig machte er aber klar, dass die Investition in und die Zusammenarbeit mit Air Berlin langfristig angelegt seien. „Wir haben keine Zweifel, dass Air Berlin wieder in den profitablen Bereich gelangt“, sagte Hogan. „Wir stehen zur Air Berlin auf lange Sicht.“ Etwas anderes bleibt ihm allerdings auch kaum übrig.

Hartes Sparprogramm

Denn obwohl der Sanierungskurs der angeschlagenen Airline langsam erste Erfolge zeigt, ist von einer spürbaren Erholung noch keine Rede. Vorstandschef Wolfgang Prock-Schauer hat das Streckenangebot verringert und unrentable Ziele gestrichen. Zudem baut er massiv Personal ab. Jede zehnte von insgesamt 9000 Stellen soll wegfallen. Das Eigenkapital ist mittlerweile so weit gesunken, dass Air Berlin sogar schon elf Flugzeuge verkauft hat, um frisches Kapital zu bekommen. Damit will Prock-Schauer die Schulden verringern und so das Gleichgewicht in der Bilanz wieder herstellen. Denn obwohl der Verlust im zweiten Quartal von rund 29 Millionen Euro auf acht Millionen Euro zurückgegangen ist, sind die Aussichten durchwachsen.

Darüber hinaus ist die Air Berlin am schwersten von der anhaltenden Unsicherheit über den Eröffnungstermin des BER betroffen. Zum einen ist Air Berlin an diesem Standort noch immer Marktführer vor der Lufthansa, auch wenn der Vorsprung nur noch wenige Prozentpunkte ausmacht. Zum anderen wollte Air Berlin hier ein Drehkreuz aufbauen. In sechs Wellen sollten 40, 50 Flugzeuge pro Tag landen und innerhalb einer Stunde wieder starten. Doch dafür braucht die Airline den neuen Flughafen. In Tegel gibt es für solch einen Umsteigeverkehr nicht genügend Platz. Der Flughafen ist schon vor Jahren zu klein geworden.

Wegen der Verzögerungen beim Bau des BER ist Air Berlin dazu gezwungen, diese Pläne erst einmal auszubremsen. Dazu kommt der immaterielle Schaden, der durch unzufriedene Kunden entsteht, wenn diese zu lange auf ihr Gepäck warten müssen oder der Koffer gar nicht erst auftaucht.

Mit offener Kritik hält sich James Hogan zurück. Dennoch lässt er durchblicken, was er von den Problemen am BER hält. „Die Verzögerungen beim Bau des neuen Flughafens haben uns nicht gerade geholfen“, sagt er. Er findet es erstaunlich, dass so ein Debakel „ausgerechnet in Deutschland“ passiert. Das habe er nicht erwartet.

Durch die neue Europa-Zentrale am Potsdamer Platz will Etihad die Bedeutung Deutschlands für ihr Geschäft und die strategische Partnerschaft mit Air Berlin betonen. „Deutschland bleibt ein extrem wichtiger Teil des wachsenden Passagier- und Frachtstreckennetzes von Etihad“, sagt Hogan. Zwar stünden weite Teile Europas im Rahmen der Euro-Krise vor großen Herausforderungen. Doch im Flugverkehr von und nach Deutschland laufe das Geschäft für Etihad gut.

In der neuen Zentrale sollen die Vertriebsteams von Etihad und Air Berlin künftig enger zusammen arbeiten. Die Entscheidung für Berlin als neuem Standort für die Europa-Zentrale sei natürlich auch aus diesem Gesichtspunkt heraus getroffen worden, so Hogan. Insgesamt sollen hier 35 Mitarbeiter tätig sein.

Strenge Beurteilung

Trotz der strategischen Partnerschaft mit Air Berlin gibt es einige Unterschiede in der Firmenkultur. So werden bei Etihad die Mitarbeiter in jedem Jahr einem strengen Beurteilungsverfahren unterworfen. Die zehn Prozent, die dabei am besten abschneiden, bekommen einen finanziellen Bonus. „Die untersten zehn Prozent müssen das Unternehmen innerhalb von drei Monaten verlassen“, sagt Hogan. Diese Methode funktioniere seiner Ansicht nach gut, um die Mitarbeiter zu motivieren. „Bei Etihad brauchen wir keinen Mitarbeiter, der sich in seinem Job langweilt“, sagt Hogan.