Jugend

Letzte Chance auf einen Ausbildungsplatz

Interessierte können bis Donnerstag bei der Jobbörse am Postbahnhof Firmen kennenlernen

Einen Schnappschuss aus dem Urlaub sollten Jugendliche bei der Ausbildungssuche ganz sicherlich nicht auf ihre Bewerbung kleben. Aber auch das ist schon vorgekommen. Wie man es besser macht, können sich Bewerber noch bis Donnerstag bei der Last-Minute-Börse am Postbahnhof in Nähe des Ostbahnhofs ansehen. Doch das ist nur ein Randaspekt.

Hauptsächlich geht es bei der Veranstaltung darum, möglichst vielen Jugendlichen noch einen Ausbildungsplatz zu vermitteln. Daher hieß sie früher auch etwas trocken „Nachvermittlungsbörse“. Wobei sich bei der Aktion genau genommen nicht nur der Name geändert hat. Auch die Unternehmen stehen unter einem viel höheren Druck als noch vor fünf Jahren. Obwohl das Ausbildungsjahr bereits am 1. September losging, sind noch rund 2000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Oder wie es Jan Eder, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Berlin, formulierte: „Stell dir vor, es ist Ausbildung, und keiner geht hin.“

Viele Stellen unbesetzt

Allein die zu seinem Verband gehörenden Unternehmen haben 610 offene Ausbildungsplätze gemeldet. Vom Handwerk kommen weitere 320 dazu, und auch die Arbeitsagentur verfügt noch über zahlreiche freie Stellen für Bewerber. „Für Jugendliche sind die Chancen auf einen Ausbildungsplatz derzeit so gut wie nie zuvor“, sagt Eder.

Ob sie diese Chance allerdings wahrnehmen, ist die andere Frage. 4000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz wurden bei der gemeinsamen Aktion von IHK Berlin, Handwerkskammer Berlin und der Bundesagentur für Arbeit angeschrieben. Die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass gerade mal ein Viertel der Jugendlichen bei der Jobbörse auftaucht.

Und das, obwohl sie nirgendwo sonst mit so vielen Unternehmen gleichzeitig direkt in Kontakt treten können, die ihnen möglicherweise noch für das laufende Jahr eine Ausbildung anbieten. Auch Arbeitsagenturen aus Brandenburg nehmen an der Jobbörse teil. Zudem werden erstmals auch überregionale Ausbildungen angeboten, die von den Arbeitsagenturen München und Freiburg zur Aktion mitgebracht werden.

Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) ist Schirmherrin der Veranstaltung. Ihre wichtigste Botschaft ist, dass durch Aktionen wie die Jobbörse jeder eine faire Chance bekommt. „Die Bewerber sollten sich auch Berufsbildern zuwenden, die möglicherweise nicht ganz oben auf der persönlichen Wunschliste stehen.“ Genau da liegt aber das Problem. So gibt es etwa im Hotel- und Gaststättengewerbe noch viele freie Ausbildungsplätze. Doch viele Jugendliche lassen sich von Arbeitszeiten abschrecken, die ihnen vielleicht zu viel von ihrer Freizeit und ihrem Privatleben nehmen.

IHK und Handwerkskammer haben zusammen 11.000 Betriebe angeschrieben und sie darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, dass sie Jugendlichen eine Ausbildungsstelle bieten. Der Einsatz hat sich gelohnt. Viele haben nachträglich noch offene Plätze gemeldet. So sind allein im Handwerk 60 zusätzliche Lehrstellen bereitgestellt worden. „Das freut mich sehr und zeigt, dass die Berliner Handwerksbetriebe ihrer Verantwortung nachkommen“, sagt Handwerkskammerpräsident Stephan Schwarz.

Dabei sollten sich Interessierte nicht schon im Voraus von ihren eigenen Schulleistungen abschrecken lassen. „Es geht nicht um den Wettbewerb, wer die besten Noten auf dem Zeugnis hat, sondern darum, wer am besten in einen Betrieb passt“, sagt Schwarz. „Auf diese Weise haben wir schon so manches Naturtalent ins Handwerk geholt.“

Bislang fand die Jobbörse immer erst im Oktober statt. In diesem Jahr wurde sie in den September vorgezogen, damit die Vermittlung so früh wie möglich erfolgen kann. „Manche Unternehmen haben ihre Anforderungen im Vergleich zu früheren Jahren sogar leicht heruntergesetzt, da sie dringend Auszubildende brauchen“, sagt Eder. Ihn frustriert, dass im vergangenen Jahr gerade mal nur jeder fünfte der angeschriebenen Jugendlichen zur Jobbörse kam. 2009 war es noch jeder dritte. Er schlägt daher vor, solchen Jugendlichen die staatlichen Transferleistungen zu kürzen. Entsprechende Pläne gäbe es bereits in anderen Bundesländern. „Wer einen Beratungstermin der Arbeitsagentur ohne Grund nicht wahrnimmt, muss dies bei den Transferleistungen spüren“, sagt Eder.

Fachkräfte fehlen

In diesem Jahr gibt es auch in den begehrten Branchen noch viele offene Stellen. Dazu gehört etwa die Ausbildung zum Mediengestalter Digital und Print sowie zum Fachinformatiker. Im Vorjahr gab fast jedes zweite an der Jobbörse teilnehmende Unternehmen an, keine einzige Bewerbung erhalten zu haben. Dabei brauchen sie genau diese Fachkräfte. Die Berliner Wirtschaft rechnet damit, dass schon Ende dieses Jahres 48.000 Fachkräfte fehlen werden. Akademiker sind da noch nicht eingerechnet.

Die Gründe für den Mangel sind vielfältig. In kaum einem anderen Bundesland verlassen so viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss. In Berlin ist diese Quote mit 9,2 Prozent fast doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Dazu kommt, dass 15.000 ehemalige Schüler in verschiedenen Maßnahmen zur Berufsvorbereitung stecken und sich daher gar nicht aktiv um eine Stelle bemühen. Die Unternehmen tragen ihren Teil zur Lösung des Problems bei, indem sie etwa selbst Nachhilfe anbieten.

Die Jobbörse findet Mittwoch und Donnerstag im Postbahnhof an der Straße der Pariser Kommune 8 jeweils von 8:30 bis 17 Uhr statt