Technik

Handel leidet besonders unter der digitalen Revolution

Durch die digitale Revolution ordnet sich die deutsche Unternehmenswelt neu.

Etablierte Geschäftsmodelle werden zunehmend auf den Prüfstand gestellt, die Grenzen zwischen den Branchen verwischen, immer mehr Konzerne dringen in bisher fremdes Revier vor. Das belegt eine Befragung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unter 350 Vorständen und Geschäftsführern in Deutschland. Mehr als zwei Drittel aller Unternehmen sehen demnach Umsatzpotenzial in einer anderen Branche.

Besonders ausgeprägt ist dieser Trend mit 84 Prozent in der Telekommunikations- und Mediensparte. Diese Unternehmen wollen ihr Glück vor allem in der Technologiebranche suchen. Technologiefirmen wiederum schauen sich in der Automobilindustrie, dem Energiesektor und auch der Telekommunikations- und Medienbranche um. Aber auch Banken, Versicherer, Energie- und Logistikunternehmen planen in Zukunft in anderen Branchen zusätzliche Geschäfte zu machen. „In vielen Fällen dürften die Wachstumspotenziale für Unternehmen in bisher fremden Branchen sogar größer sein als im Kernmarkt, der häufig durch Sättigung und Konsolidierung gekennzeichnet ist“, meint Marc Ennenmann, Partner bei KPMG. In vielen Fällen geht es aber auch darum, die Kunden stärker an sich zu binden.

Vor allem der Handel gerät zunehmend ins Visier branchenfremder Konzerne. Allerdings scheinen die betroffenen Unternehmen auf diese Attacke von außen kaum vorbereitet zu sein: So hegen der Umfrage zufolge lediglich 61 Prozent Befürchtungen, dass ihrem Unternehmen Konkurrenz aus einer anderen Branche droht. „Solche Beispiele zeigen, dass es nicht ausreicht, aus der Innenperspektive auf andere Branchen zu blicken. Wer die Konkurrenz von morgen erkennen will, muss die Situation von Unternehmen aus anderen Branchen verstehen und deren mögliche Strategien antizipieren“, sagt Robert Gutsche, Vorstand von KPMG.

Doch wer sind die Gewinner der digitalen Revolution? Das sind Unternehmen, für die sich der Wettbewerbsdruck aus anderen Branchen verringert und die gleichzeitig starke Wachstumschancen haben, so die Wirtschaftsprüfer. Dazu zählen laut KPMG vor allem Technologiefirmen. Sichere Verlierer sind dagegen die, für die sich der Wettbewerbsdruck erhöht, ohne dass die Wachstumschancen besonders rosig sind. Dieses Schicksal droht dem Handel, aber auch Banken und Versicherungen sowie Telekommunikations- und Medienunternehmen.