Geldpolitik

Deutsche Sparer zahlen kräftig für die Euro-Krise

Privates Geldvermögen wächst weltweit. Doch hierzulande wirkt der Niedrigzins als Bremse

Die Europäische Zentralbank tut alles, um den Euro zusammenzuhalten. Doch die EZB tut vor allem eines: Sie drückt die Zinsen, um so den Krisenländern Luft zum Atmen zu geben. Anderen schneidet sie damit jedoch eher die Luft ab. Und das sind vor allem die Deutschen.

Dies haben nun die Ökonomen der Allianz nachgewiesen. Sie haben berechnet, wie viel der extreme Niedrigzins die Sparer jährlich kostet, und, noch wichtiger, sie haben dies den Zinsgewinnen gegenübergestellt, die die Europäer ja gleichzeitig dadurch haben, dass sie beispielsweise für Baudarlehen extrem wenig bezahlen müssen. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Deutschen zahlen im Gegensatz zu den meisten anderen Europäern kräftig drauf.

„Die ökonomischen Modelle zeigen, dass die Zinsen durch die Krise um etwa einen Prozentpunkt gedrückt wurden“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, am Dienstag in Frankfurt bei der Vorstellung des „Global Wealth Reports“, einem Überblick über die weltweiten Vermögensverhältnisse. Dies hat zur Folge, dass jedem Deutschen 2012 im Schnitt rund 260 Euro an Zinsen entgangen sind. Auf der anderen Seite hat Otto Normalverbraucher aber nur etwa 190 Euro an Darlehenszinsen gespart – macht in Deutschland per Saldo einen Verlust von genau 71 Euro pro Nase. Und dies summiert sich auf 5,8 Milliarden Euro an Verlusten für die Deutschen aufgrund des extremen Niedrigzinses.

Ganz anders sieht es dagegen im Rest Europas aus. Zwar sind die Zinsgewinne für Kreditnehmer überall etwa gleich hoch. Dafür sind aber die Zinsverluste der Sparer in den anderen Ländern wesentlich geringer als hierzulande. Summa summarum machen die Bürger im übrigen Eurogebiet durch die Zinsentwicklung einen Gewinn von 34 Milliarden Euro (134 Euro pro Kopf).

Hier rächt sich auch die traditionelle Vorliebe der Deutschen für Anlagen auf dem Tagesgeldkonto und für andere Bankeinlagen. Hinzu kommt, dass im Zuge der Krise viel Geld aus dem Ausland nach Deutschland geflossen ist. Die Folge: Die deutschen Banken können beim Zins geizen. Über die Zinsen findet so ein indirekter Vermögenstransfer in der Eurozone statt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass die Deutschen ärmer würden und gleichzeitig das Geld auf die Südeuropäer niederprasselt. Die Daten der Allianz zeigen auch einen dramatischen Vermögensverlust in Südeuropa.

So schlagen sich die wirtschaftlichen Entwicklungen in den einzelnen Ländern letztlich unmittelbar im Vermögen der Privathaushalte nieder. Besonders deutlich wird dies auch im weltweiten Vergleich. So hat sich in den boomenden asiatischen Ländern die Zahl der Menschen mit mittlerem Vermögensbestand (4900 bis 29.200 Euro) seit dem Jahr 2000 glatt verzehnfacht, in Lateinamerika und Osteuropa verdoppelt.

Deutschland ist beim privaten Geldvermögen in Europa bei Weitem nicht an der Spitze. „Es liegt in Europa bestenfalls im Mittelfeld“, sagt Heise. Ganz vorne rangieren hier die Schweizer, aber auch Belgier, Niederländer, Briten, Franzosen und sogar Italiener liegen vor den Deutschen. Dies liegt Heise zufolge daran, dass der private Vermögensaufbau in Ostdeutschland noch weit hinterherhinkt. Westdeutschland allein liege beim Geldvermögen ungefähr auf dem Niveau von Frankreich. Zudem setzen die Deutschen überdurchschnittlich stark auf niedrig verzinste Bankeinlagen. „Die Deutschen sparen zwar überdurchschnittlich viel.“ Doch sie legen das Geld meist auf ein Bankkonto. „Und dort versauert es.“