Zehlendorfer Telekomausrüster Krone wird abgewickelt

Der US-Schweizer Konzern TE Connectivity (früher Tyco Electronics) schließt das Berliner Werk seiner Telekomausrüstersparte ADC Krone in Zehlendorf. Das hat nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall der Aufsichtsrat von TE Connectivity Deutschland am Freitag beschlossen. Die Geschäftsführung sei beauftragt, das Werk mit seinen mehr als 200 Beschäftigten bis Mitte 2014 abzuwickeln. Die Produktion werde ins TE Werk im slowakischen Brno (Brünn) verlagert, wo die Arbeitskosten geringer seien als in Berlin. Dies sei den Beschäftigten am Freitag mitgeteilt worden, hieß es bei der IG Metall. Von TE Connectivity war keine Stellungnahme zu bekommen.

Mit der Schließung werden die Reste eines der traditionsreichen Berliner Industrieunternehmen abgewickelt. Krone, 1936 gegründet, war über Jahrzehnte weltweit führend in der Anschlusstechnik von Telefonleitungen aus Kupfer. 1997, als Eigentümer Klaus Krone das Unternehmen verkaufte, beschäftigte es 3000 Mitarbeiter weltweit, mehr als 1100 davon in Berlin. Damals setzte die Krone-Gruppe fast 650 Millionen D-Mark jährlich um. Zur Zeit arbeiten im Zehlendorfer Werk noch 230 Beschäftigte, im ersten Halbjahr galt Kurzarbeit.

Das Krone-Werk ist zum einen Opfer des rasanten technologischen Wandels in der Telekomindustrie der vergangenen 15 Jahre geworden, in der die preiswerte Glasfasertechnik die kostenintensivere Kupfertechnik abgelöst hat und heute Hersteller in Asien führend sind. Zum anderen hat es den verschiedenen Eigentümern seit dem Verkauf an einer Strategie gefehlt, den Zehlendorfer Kupferkabel-Spezialisten in die Neuzeit zu transferieren.

Mit Krones Verkauf an den Technologiekonzern Jenoptik begann der Niedergang des Berliner Werks. Jenoptiks Ausflug in die Telekomindustrie scheiterte, die Krone-Gruppe wurde wenig später an den US-Konzern GenTek weitergereicht, der den Unternehmenssitz in die USA verlegte. 2004 verkaufte GenTek die Krone-Gruppe an den Netzausrüster ADC, den wiederum 2010 Tyco Electronics schluckte. Begleitet wurden die jeweiligen Verkäufe mit Einsparungen im einstigen Berliner Stammwerk.

TE Connectivitys Interesse am Berliner Standort sei von Beginn an nicht groß gewesen, beklagt die Gewerkschaft. „Statt in den Standort zu investieren, hat Tyco die Entwicklung in die zukunftsträchtige Glasfasertechnologie gestoppt, die eigenständigen Vertriebsstrukturen gekappt und will jetzt wegen der Auftragsrückgänge im Kupferbereich den Standort schließen“, sagte Klaus Abel, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Berlin. Abel forderte von TE Connectivity, „seine Verantwortung für die Arbeitsplätze wahrzunehmen und statt Geld in die Schließungskosten zu stecken, in Zukunftstechnologie am Standort zu investieren“. Die Chancen dafür dürften schlecht stehen.

Tyco Electronis war bis zur Abspaltung 2008 Teil des US-Mischkonzerns Tyco, der vier Jahre zuvor wegen eines der größten US-Bilanzskandale in die Schlagzeilen geraten war. Seit 2009 hat das Unternehmen seinen Sitz in Schaffhausen in der Schweiz, 2011 nannte es sich in TE Connectivity um. Weltweit setzt der Konzern heute mit mehr als 90.000 Mitarbeitern 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) um.