Kreditinstitut

Berliner Volksbank entdeckt den Schwarm

Kreditinstitut steigt bei Bergfürst ein. Das Unternehmen bietet Crowdfunding mit Aktienmarkt

Die Berliner Volksbank, eine der größten Genossenschaftsbanken in Deutschland, steigt als Teilhaber bei der Bergfürst AG ein. Die Firma will Unternehmen, die zu jung für die Deutsche Börse und zu groß für Crowdfunding mit anderen Plattformen sind, mit einer neuen Anlagemethode einen Zugang zum Kapitalmarkt schaffen. Bergfürst kombiniert das sogenannte Crowdinvesting mit Aktien. Auf der Plattform der Firma können sich Privatinvestoren direkt an jungen Wachstumsunternehmen beteiligen. Bergfürst bietet derzeit Anteile von Urbanara, einem Onlineshop für Wohnaccessoires, an.

Bergfürst ermöglicht Privatinvestoren, Aktien junger Firmen zu kaufen und die Papiere im Anschluss auf der eigenen elektronischen Handelsplattform zu handeln. Darin unterscheidet sich die Plattform von anderen Crowdinvestment-Unternehmen, die ihren Portfoliounternehmen das Geld der Anleger als Kredit bereitstellen. Die Aktienkäufer profitieren von der Wertentwicklung des jeweiligen Unternehmens und bleiben gleichzeitig bei ihrer Geldanlage flexibel, weil sie ihre Aktien wieder verkaufen können. Allerdings tragen die Investoren auch das Verlustrisiko, sollte der Wert des Unternehmens, dessen Aktien sie besitzen, nicht steigen.

Bergfürsts Konzept überzeugt Holger Hatje, Vorstandsvorsitzender der Berliner Volksbank. „Mit unserer Beteiligung an der Bergfürst AG folgen wir dem genossenschaftlichen Gedanken“, sagte er und sieht Parallelen im Crowdinvesting. „Das demokratische Miteinander in Finanzfragen liegt in der DNA der Berliner Volksbank“, sagte Hatje, da sei es konsequent, in ein aufstrebendes Wachstumsfeld zu investieren. Und er findet: „Bergfürst ist auf dem Weg, eine entscheidende Rolle im vorbörslichen Anleger-Markt für realwirtschaftliche Kapitalanlagen zu übernehmen.“ Bergfürst-Gründer Guido Sandler zeigte sich optimistisch: „Die Beteiligung der Berliner Volksbank unterstreicht das enorme Potenzial unseres Geschäftsmodells.“

Zu den Bergfürst-Anteilseignern zählen die beiden Gründer, die Aufsichtsratsmitglieder und die Mitarbeiter sowie die Berliner Volksbank. Zur Höhe der neuen Beteiligung gab es keine Angaben.

Urbanara plant, über Bergfürst mindestens drei Millionen Euro neues Kapital aufzunehmen. Das Bundesamt für Finanzdienstleistungen (Bafin) hatte den Wertpapierverkaufsprospekt nach Unternehmensangaben gebilligt und damit den Weg für den Crowdinvestment-Börsengang frei gemacht. Kapitalanleger können insgesamt 299.200 Aktien zu einem Preis zwischen zehn und 12,50 Euro zeichnen. Im Anschluss an die Zeichnungsfrist können die Aktionäre ihre Urbanara-Aktien auf der Bergfürst-Plattform handeln. Beck stellte ein zweites Crowdinvestment bei Bergfürst in Aussicht, das noch 2013 starten soll.

Urbanara wurde Ende 2010 von Ben Esser, Claire Davidson und Martin von Wenckstern in Berlin gegründet. Im Frühjahr 2011 erhielt das Unternehmen laut Verkaufsprospekt eine erste Finanzierung über 400.000 Dollar (rund 300.000 Euro). Mitte 2011 folgte eine weitere Runde – jetzt aber schon über 800.000 Dollar. Im Frühjahr 2012 schloss sich eine Finanzierung mit 3,5 Millionen Euro an. Der Umsatz des Unternehmens stieg 2012 um mehr als 250 Prozent auf 1,8 Millionen Euro. In diesem Jahr sollen es 4,3 Millionen Euro sein. Im Angebot sind 2500 Produkte. Das Unternehmen beschäftigt 40 Mitarbeiter und hat nach eigenen Angaben mehr als 25.000 Kunden.