Gesundheit

Krankenkassen geben Geld zurück

Versicherungen mit 29 Milliarden Euro Überschüssen. TKK will Mitgliedern bis zu 160 Euro zahlen

Mitglieder der Techniker Krankenkasse (TK) können sich freuen: Auch 2014 wird die TK wieder einen Teil der Beiträge zurückerstatten. Wie bereits für dieses Jahr zahlt die zweitgrößte gesetzliche Krankenkasse ihren Kunden einen Treuebonus für Zugehörigkeit. Das hat der TK-Verwaltungsrat beschlossen. Für beide Jahre können Mitglieder bis zu 160 Euro Treueprämie kassieren.

Die Prämie kann aber auch deutlich geringer ausfallen. Ihre Auszahlung für 2013 bekommen Mitglieder nur anteilig für die Zeit ihrer Mitgliedschaft im alten Jahr. Für jeden Monat ab Mai 2013 gibt es zehn Euro. Maximal erhält ein Mitglied also bis zu 80 Euro seiner gezahlten Beiträge zurück. Beim Scheck für das Jahr 2014 hat die TK die Spielregeln geändert: Entscheidend für eine Auszahlung ist, dass eine Mitgliedschaft am 1. Januar oder am 1. Dezember besteht. „Wer an einem dieser Stichtage Mitglied ist und Beiträge zahlt, erhält einmalig 80 Euro“, heißt es bei der Techniker. Das bedeutet: Wer beispielsweise nur von Februar bis November dabei ist, geht vollkommen leer aus. Weitere zwingende Voraussetzung: Man muss selbst Beiträge zahlen. Wer also familienversichert ist und nicht einzahlt, bekommt auch nichts zurück.

Die TK ist nicht die einzige gesetzliche Krankenkasse, die mit einem solchen „Treuebonus“ wirbt. Auch die BKK VDN (Vertrauen Durch Nähe) hat sich bereits für 2014 festgelegt: Kunden erhalten bis zu 80 Euro für 2014 - abhängig von der Dauer ihrer Zugehörigkeit. Die Krankenkasse hkk meldete, ihren Mitgliedern bis zu 100 Euro pro Kopf auszahlen zu wollen. Die höchste Dividende derzeit zahlt die BKK Scheufelen mit 125 Euro im Jahr aus, wie das Portal Kassensuche (gesetzlicheKrankenkassen.de) für die „Berliner Morgenpost“ ermittelt hat. Bei den Schwaben gilt das Stichtagverfahren: Nur wer zum 31. Dezember Mitglied ist, bekommt die Vergünstigung.

Deutliche Kassen-Unterschiede

Wichtig für Prämienjäger: Beim Kassenwechsel müssen Fristen eingehalten werden. „Eine Kündigung ist erst nach vollen zwei Monaten wirksam“, sagt Thomas Adolph vom Portal gesetzlicheKrankenkassen.de. Wer jetzt sein Kündigungsschreiben verschickt, wird erst zum 1. Dezember 2013 Mitglied bei einer neuen Kasse. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den beiden Beteiligungsverfahren. Verstreicht der Stichtag bei der Komplettausschüttung, ist der Bonus für Neukunden verloren. Zahlt die Kasse hingegen anteilig, verringert sich die Prämie lediglich um einen entsprechenden Betrag. Anteilig schüttet etwa die atlas BKK ahlmann aus, ebenso die BKK firmus und die G&V BKK, die ihre Mitglieder jeweils mit bis zu 120 Euro beglücken. Bei atlas und BKK firmus zählt der Eintritt seit dem 1. Juli 2013. Das bedeutet, wer nur zwei Monate dabei ist, bekommt 40 Euro - nämlich ein Drittel von 120 Euro. Bei der G&V zählt der Zeitraum seit dem 1. Januar 2013.

„Die Höhe der Prämie sollte niemals das alleinige Kriterium für die Mitgliedschaft einer Krankenkasse sein“, sagt Adolph. Insbesondere das Leistungsspektrum unterscheidet sich von Kasse zu Kasse. Wer etwa auf Homöopathie oder Akkupunktur setzt, hat bei manchen Kassen gute Chancen, dass die Kosten übernommen werden. Bei anderen geht der Versicherte hingegen leer aus, weil sich die Kasse eng an den Katalog der gesetzlichen Leistungen hält. Auch beim Service gibt es erhebliche Unterschiede. Die neue Spendierfreudigkeit hängt mit der guten wirtschaftlichen Situation in Deutschland zusammen. 29 Milliarden Euro an Überschüssen haben die Kassen angehäuft. Da der Beitrag für die gesetzliche Krankenkasse immer prozentual an den Lohn gekoppelt ist, zahlen mit steigenden Löhnen und geringer Arbeitslosigkeit viele Menschen viel Geld ein. Hinzu kommen Kostensenkungen, die viele Kassen auch aufgrund ihrer guten Verhandlungsposition gegenüber Krankenhäusern und Pharmakonzernen durchsetzen können. Hier sehen Experten sogar noch mehr Sparpotential: Der jüngst erschienene Arzneiverordnungs-Report beziffert allein bei Medikamenten eine mögliche Senkung der Ausgaben um 3,7 Milliarden Euro.