Twitter

Mit 135 Zeichen an die Börse

Twitters angekündigter Börsengang könnte die Investitionen in junge Internetunternehmen weltweit befeuern

Nur 135 Zeichen hatte die Nachricht. Und natürlich setzte Twitter sie über den eigenen Kurznachrichtendienst ab. In deutscher Übersetzung lautet der Tweet: „Wir haben der SEC vertraulich ein S-1 für einen geplanten IPO übergeben. Dieser Tweet stellt kein Angebot zum Verkauf von Aktien dar.“

Was für den Laien etwas kryptisch daher kommt, könnte eine der spannendsten Geschichten am Finanzmarkt werden. Denn nach dem sozialen Netzwerk Facebook, das 2012 an die Börse ging, hat Twitter damit den Prozess eingeleitet, auf diesem Weg zu folgen. Wann genau es so weit ist, wie teuer die Aktien werden, wer sie erhalten kann – dazu gibt es bisher nur Gerüchte und Vermutungen. Doch sicher ist, dass Twitter auf jeden Fall ein Debakel vermeiden möchte, wie es Facebook erlebte.

Mit Twitter können Nutzer Nachrichten von einer Länge bis zu 140 Zeichen absetzen, die dann von allen gelesen werden können, die dem Absender folgen. Viele Prominente nutzen dies, um mit ihren Fans in Kontakt zu bleiben, so hat beispielsweise der Teenie-Star Justin Bieber allein 44,4 Millionen Follower – mehr als Präsident Barack Obama, der es nur auf 36,5 Millionen bringt. Aber auch Firmen nutzen den Dienst zum Austausch. Über 200 Millionen Menschen sind bei Twitter weltweit bereits angemeldet, täglich werden 400 Millionen Nachrichten versandt.

„Twitter ist offensichtlich einer jener bahnbrechenden Börsengänge, auf die die Branche gewartet hat“, sagt Byron Deuter, Partner bei Bessemer Venture Partners in Kalifornien, einem Investor, der jungen Firmen Kapital gibt. Bei Twitter ist Deeter selbst nicht dabei, aber er hofft natürlich, dass Twitter die allgemeine Stimmung für Börsengänge von Internet- und IT-Firmen anfacht.

Aber gerade wegen dieser hohen Aufmerksamkeit versucht Twitter die Erwartungen niedrig zu halten und geizt mit Informationen. Dies kann das Unternehmen tun, da es einen Antrag auf einen „vertraulichen Börsengang“ gestellt hat. Möglich ist das für Firmen, die weniger als eine Milliarde Dollar Umsatz machen. Sie müssen dann erst drei Wochen vor dem Beginn der heißen Phase des Börsengangs der Öffentlichkeit Geschäftszahlen mitteilen. „Durch die Vertraulichkeit kann das Unternehmen hoffentlich die Erwartungen ein wenig dämpfen und eine andere Strategie bei der Firmenbewertung fahren als Facebook“, sagt David Pakman vom Wagniskapitalgeber Verrock. „Twitter wird alles tun, um zu vermeiden, dass der Börsengang an Facebook erinnert.“

Denn der war – von technischen Problemen begleitet – ein einziges Debakel. Ein Kurssturz gleich zu Beginn der Notierung war die Folge, auch weil die ersten Geschäftszahlen schlecht waren. Zweifel am Geschäftsmodell kamen auf. Mittlerweile hat Gründer Mark Zuckerberg aber unter Beweis gestellt, dass Facebook im wichtigen Smartphone- und Tablet-Bereich die Werbe-Einnahmen steigern kann. Umsatz und Gewinn stiegen zuletzt rasant. Das spiegelt sich im Aktienverlauf wider: Nachdem sich der Kurs gegenüber dem Ausgabepreis von 38 Dollar zunächst halbierte, liegt er jetzt bei 45 Dollar.

Wie teuer Twitter wird, ist derzeit allenfalls abzuschätzen. Marktexperten rechnen mit einer Bewertung von 15 bis 20 Milliarden Dollar. Entscheidend dafür sind aber letztlich die Geschäftszahlen. Auch dazu gibt es nur Schätzungen, beispielsweise von dem Marktforschungsunternehmen EMarketer. Demzufolge dürften die Werbeeinnahmen in diesem Jahr 582,8 Millionen Dollar betragen und 2014 auf rund 950 Millionen steigen. Analysten zufolge kann Twitter dieses Jahr die Gewinnschwelle erreichen. Und Twitter investiert in diesem Bereich. Zuletzt wurde die auf mobile Werbung spezialisierte Firma MoPub übernommen. Twitter zahlte die Übernahme mit eigenen Aktien im Wert von 350 Millionen Dollar.

So lange keine weiteren Zahlen bekannt sind, will niemand urteilen, ob der Kauf von Twitter-Aktien gewinnversprechend wäre. „Wir wissen, dass der Umsatz nahe bei einer Milliarde ist, aber das ist das Einzige“, sagt Tim Cunnigham, Fondsmanager bei Thornburg Investment. „Solange wir keine Details haben, wissen wir nicht, wie attraktiv der Börsengang ist.“ Sicher ist nur, dass die Investment Bank Goldman Sachs die führende Rolle dabei übernehmen wird.