Kosten

EU-Kommission will Roaming-Gebühren abschaffen

Die EU-Kommission mischt die europäische Telekom-Branche auf.

Die Kosten für Telefonate im Ausland sollen wegfallen, jahrelange Vertragslaufzeiten verboten und die Verbraucherrechte gestärkt werden. Während sich die Kunden freuen, sehen die Deutsche Telekom und andere Branchengrößen wichtige Einnahmequellen in Gefahr. Beschlossen ist noch nichts: Die Vorschläge der Kommission haben noch einen parlamentarischen Spießroutenlauf vor sich.

Zentraler Punkt ist die Abschaffung der Mobilfunk-Extrakosten bei Reisen ins europäische Ausland. „Wir müssen die Roaming-Gebühren auf dem gemeinsamen Markt abschaffen und sie nicht einfach reduzieren“, sagte Telekom-Kommissarin Neelie Kroes in Straßburg. Die Gebühren können derzeit horrend ausfallen, besonders wenn neben Anrufen und SMS über Smartphones noch Internet-Dienste genutzt werden. Die Extrakosten für Handytelefonate im EU-Ausland sollen ab Mitte 2014 schrittweise verschwinden.

Zudem sollen die bisher üblichen 24-Monatsverträge für DSL-Anschlüsse und im Mobilfunk wegfallen. Abonnenten sollen zudem das Recht bekommen, die Geschwindigkeit ihres Internetanschlusses zu überprüfen und gegebenenfalls den Vertrag sofort zu kündigen, falls die Daten nur langsam eintrudeln.

Mit Roaminggebühren fahren viele Betreiber Analysten zufolge fünf bis zehn Prozent ihrer Gesamterlöse im Mobilfunkgeschäft ein. „Das ist ein falsches Signal für dringend benötigte Investitionen in neue breitbandige Netze“, beklagte ein Sprecher der Deutschen Telekom.

Doch die Konzerne haben nicht nur Grund zum Jammern. „Bei den Vorschlägen sind große Betreiber in einigen Bereichen gut weggekommen“, sagte Analyst Ulrich Rathe von der Bank Jefferies. Der Ausbau schneller Internetleitungen werde unterstützt und die Regeln zur sogenannten Netzneutralität aufgeweicht, der Gleichbehandlung aller Daten im Internet. Letzteres ist ein wichtiger Punkt: Die Telekom-Konzerne dürfenkünftig für ganz besonders eilige Internetdaten eine Überholspur im Netz einrichten und dafür eine Extra-Maut verlangen, etwa für HD-Fernsehen. Bislang gab es dafür keine EU-einheitliche Lösung.