Unternehmensstrategie

Die Magie ist weg – Apple hat sich entzaubert

Zurück zum Normalmaß: Der US-Konzern hat mit dem iPhone 5S ein solides Gerät vorgelegt, mehr aber nicht

Apple bringt erstmals ein etwas günstigeres neues iPhone zusätzlich zu einem Top-Modell auf den Markt. Der Konzern stellte am Dienstagabend wie erwartet ein iPhone 5C mit einem Gehäuse aus Plastik in bunten Farben vor. Zusammen mit dem neuen Spitzen-Modell iPhone 5S ersetzt es das ein Jahr alte iPhone 5. Von der Doppelstrategie erhofft sich der US-Konzern breitere Käuferschichten auf dem umkämpften Smartphone-Markt zu erreichen. „Das Geschäft ist so groß geworden, dass wir in diesem Jahr das iPhone 5 mit zwei neuen Designs ersetzen werden“, sagte Apple-Chef Tim Cook bei der Produktpräsentation.

Seinem neuesten iPhone hat Apple einen Fingerabdruck-Sensor verpasst, der soll es den Nutzern leichter machen, die keine Lust auf Passwörter haben. Der Fingerabdruck werde verschlüsselt auf dem Handy gespeichert und keinen anderen Programmen zugänglich gemacht, versicherte Apple. Dazu gibt es einen schnelleren Prozessor und eine bessere Kamera. Marketingchef Phil Schiller pries das iPhone 5S als „den Goldstandard unter den Smartphones“ und werde neben Schwarz und Silber nun eben auch in Gold angeboten.

All das zeigt aber schon das Dilemma, in dem der Konzern steckt: Ein Smartphone ist eben ein Smartphone – und es lässt sich nicht jährlich neu erfinden. Fast schon ein wenig demütig hat Apple das neue Modell daher auch nicht iPhone 6 genannt. Das iPhone 5S ist eben ein verbessertes iPhone 5. Wer mehr erwartet hat, dürfte nach der Präsentation enttäuscht sein.

Daran trägt Apple natürlich gehörig Mitschuld. Denn es war Steve Jobs, der vor zwei Jahren verstorbene Apple-Gründer, der bei der Vorstellung des iPads 2010 das Wort magisch in den Mund nahm. Und es danach sogar in die Pressemitteilungen zu diesem Produkt schreiben ließ. Magisch ist an dem iPhone 5S nichts mehr. Damit hat sich Apple ein Stück weiter entzaubert. Solide ist das neue Modell aber allemal. Stark ist es vor allem wegen seines Ökosystems. Nirgendwo finden Nutzer so viele Anwendungen wie für die Apple-Geräte.

Gut möglich, dass sich Käufer von Apple abwenden, weil ihnen die iPhone-Displays zu klein werden. Mit vier Zoll zeigt Apple im Vergleich zu den Konkurrenten wenig Größe. Sollte Apple seinem Modellzyklus treu bleiben, dürften größere Geräte erst in einem Jahr kommen – in dieser Branche eine sehr lange Zeit.

Doch Apple kämpft nun an anderen Fronten. Weil die Marktanteile zurück gehen, hat sich der Konzern dazu entschlossen, ein günstigeres iPhone 5C anzubieten, das in einem Plastikmantel steckt. Damit springt Apple über seinen Schatten. Das neue iPhone 5C hat denselben Chip und dieselbe Kamera wie das Vorgängermodell iPhone 5 – es ist gewissermaßen das gleiche Telefon in einem Plastik-Gehäuse und soll in knalligem Grün, Gelb, Pink, Blau und Weiß auf den Markt kommen. Apple-Designer Jony Ive sagte, dass sich der Konzern trotz des niedrigeren Preises die gleiche Mühe bei der Entwicklung des iPhone 5C gegeben habe. Das Modell sei „schön“ und liege gut in der Hand, sagte er.

Steve Jobs stand vor Jahren vor einer ähnlichen Wahl, als plötzlich billige Netbooks für wenige hundert Euro erfolgreich in den Markt drängten. Jobs weigerte sich, diese Mode mitzumachen. Der Vorstoß mit dem iPhone 5C wirkt allerdings etwas halbherzig. Wirklich günstig nämlich ist es nicht. In Deutschland kostet es - je nach Speicher - zwischen 600 und 700 Euro.

Ob das reicht, Apple in Märkten wie China, Indien oder auch Lateinamerika wieder stärker ins Spiel bringen, wo der Smartphone-Markt kräftiger als woanders wächst, ist fragwürdig. Dort sind Käufer nicht in der Lage, 600 Dollar und mehr für ein iPhone zu bezahlen. Fast wirkt es, als habe sich Apple nicht wirklich getraut, ein günstiges iPhone anzubieten. Die Konkurrenten zumindest können aufatmen. Wirklich gefährlich wird ihnen das iPhone 5C wohl nicht.