Sicherheitsaktion

Brandgefährliche Spülmaschinen: Bosch-Siemens fehlen Ersatzteile

Bislang 69 Zwischenfälle. US-Kunden schon 2009 gewarnt

Die größte Sicherheitsaktion in der Firmengeschichte von Bosch-Siemens Hausgeräte entwickelt sich zur Blamage für den Hersteller und wirft neue Fragen auf. BSH gab erst jetzt in Deutschland bekannt, dass für bestimme Geschirrspülermodelle, die zwischen 1999 und 2005 produziert wurden, ein potenzielles Brandrisiko besteht. Allein in Deutschland bestehe für bis zu zwei Millionen Geräte, weltweit sogar für bis zu fünf Millionen Geräte ein Risiko.

Doch den betroffenen Kunden wird nach Informationen der Berliner Morgenpost mitgeteilt, dass keine sofortige Reparatur möglich ist. Das sicherheitskritische Bauteil muss erst wieder produziert werden. Auf Anfrage heißt es bei BSH, dass die Produktion des Ersatzteils mit Hochdruck angelaufen sei. Ab Mitte September würden den Kunden Reparaturtermine angeboten.

Dabei ist das Brandrisiko bestimmter älterer Geschirrspüler dem Unternehmen seit mindestens vier Jahren bekannt. Nach Morgenpost-Recherchen gab es bereits 2009 in den USA eine Rückrufaktion für knapp eine halbe Million Bosch-Siemens-Geschirrspüler aus US-Produktion. Damals gab die US-Konsumentensicherheitsbehörde 51 Zwischenfälle und 30 Brände bekannt. 2012 gab es weitere Warnhinweise an Konsumenten, etwa in Großbritannien. Erst jetzt folgt Deutschland. BSH spricht von 69 Zwischenfällen im Inland. Während BSH von vereinzelten Schmorbränden spricht, kursieren im Internet Bilder von völlig abgebrannten Geschirrspülern.

Bosch-Siemens fordert in Deutschland seine Kunden mit den älteren Geschirrspülern zunächst auf, über die Internetseite www.dishcareaction.de oder die kostenlose Rufnummer 00800-19 08 19 08 abzuklären, ob ihr Gerät überhaupt betroffen ist. Während im offiziellen Frage-Antwortenkatalog der Firma mit keinem Wort erwähnt wird, dass gar kein sofortiger Austausch des sicherheitskritischen Elektronikbauteils im Bedienfeld möglich ist, wird dies dann in persönlichen Schreiben eingeräumt.

Darin heißt es: „Aufgrund des Alters der von der Sicherheitsmaßnahme betroffenen Geräte werden die Steuerungselektroniken jedoch nicht mehr hergestellt. Wir bemühen uns, so rasch wie möglich Ersatzteile zu produzieren, allerdings wird dies einige Zeit in Anspruch nehmen. Wir bedauern sehr, dass es deshalb nicht möglich ist, einen Reparaturtermin unmittelbar zu vereinbaren und bitten diesen Umstand zu entschuldigen.“

In dem Schreiben an die Kunden verweist der Hersteller darauf, dass die Geschirrspüler weiter genutzt werden können. „ Als Vorsichtsmaßnahme empfehlen wir dringend, betroffene Geräte nur unter Aufsicht zu benutzen, d.h. es sollte jemand im Haus sein, wenn der Geschirrspüler in Betrieb ist. Betroffene Geräte sollten insbesondere nicht nachts benutzt werden, wenn Sie schlafen.“ BSH bietet betroffenen Kunden eine kostenlose Reparatur des Geschirrspülers oder 20 Prozent Rabatt bei einem Neukauf eines Geschirrspülers an.