Mobilfunk

Das 130-Milliarden-Dollar-Geschäft

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Thomas Heuzeroth

Vodafone trennt sich in den USA von Verizon Wireless und geht dafür in Europa auf Einkaufstour

Vodafone und Verizon haben eines der größten Geschäfte der Wirtschaftsgeschichte perfekt gemacht. Verizon übernimmt die 45-Prozent-Beteiligung der britischen Mobilfunker an Verizon Wireless für 130 Milliarden Dollar (99 Milliarden Euro). Nach der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone vor 13 Jahren für 200 Milliarden Dollar und der AOL-Übernahme durch den US-Medienriesen Time Warner für 165 Milliarden Dollar wäre dies das drittgrößte Geschäft überhaupt.

Vodafone ist seit 1999 mit Verizon verbunden. Die Briten investierten damals 70 Milliarden Dollar und standen am Ende mit einem 45-Prozent-Anteil am Tochterunternehmen Verizon Wireless da. Allerdings hatten sie nie wirklich Einfluss auf die Geschäfte der Amerikaner, es war eine reine Finanzbeteiligung. Verizon Wireless ist heute das größte Mobilfunkunternehmen in den USA.

Der Druck auf Verizon, den Vodafone-Anteil zu übernehmen, ist durch die fortschreitende Marktbereinigung in den USA immer größer geworden. Sprint, der drittgrößte US-Mobilfunkanbieter, hat eine kräftige Finanzspritze von mehr als 20 Milliarden Dollar bekommen und dafür fast 80 Prozent des Unternehmens an den japanischen Telekomkonzern Softbank übertragen. Und T-Mobile USA kaufte zuletzt Metro PCS. Experten erwarten, dass sich in den USA der Preiskampf im Mobilfunkmarkt verschärfen wird. Offenbar will sich Verizon nun mit aller Kraft dagegen stemmen – ohne möglicherweise problematische Miteigner. Weltweit sind die Telekommunikationsmärkte in Bewegung geraten. Mit dem nun geplanten Geschäft summieren sich die Übernahmen allein in diesem Jahr auf mehr als 300 Milliarden Dollar weltweit, im vergangenen Jahr waren es gut 180 Milliarden Dollar. Auch für Banken und Rechtsanwälte dürfte die Einigung zwischen Vodafone und Verizon ein lohnenswertes Geschäft werden. Schätzungen gehen davon aus, dass die Gebühren für Beratung und Bankdienstleistungen eine halbe Milliarde Dollar erreichen könnten.

Nun rätseln Beobachter jedoch, was Vodafone mit dem Geld anfangen wird. Ein Teil davon dürfte als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Doch damit dürfte sich Vodafone-Chef Vittorio Colao nicht zufriedengeben. Colao kauft bereits in Europa zu und verstärkt sich vor allem im Festnetzgeschäft. So übernimmt er derzeit den deutschen TV-Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland für 10,7 Milliarden Euro, einschließlich der Schulden. Ähnliche Ambitionen werden Colao auch in Spanien, Italien und Holland nachgesagt.

Der Verizon-Kaufpreis ist auch hoch genug, um gleich den großen Kabel-Wurf zu wagen: Liberty Global, der britische Kabel- und Medienkonzern, ist in 13 Ländern aktiv, darunter auch mit der Tochter UnityMedia in Deutschland. Liberty Global ist an der Börse etwa 30 Milliarden Dollar wert und mit 40 Milliarden Dollar verschuldet.

Vodafone könnte sich eine Übernahme leisten. Allerdings dürften die Wettbewerbsbehörden ein schwer zu kalkulierendes Risiko darstellen. Mit Kabel Deutschland und UnityMedia würde plötzlich fast der gesamte TV-Kabelmarkt zu Vodafone gehören. Es dürfte unwahrscheinlich sein, dass das Kartellamt dem zustimmen würde. Die Hoffnung aber besteht offenbar. Am Tag nachdem die Gespräche zwischen Verizon und Vodafone bestätigt wurden, stieg die Aktie von Liberty Global um mehr als drei Prozent.