Unternehmen

Team Europe dampft den Betrieb ein

Der Start-up-Investor steht vor radikalem Umbau. Die Gründer verabschieden sich vom Inkubator-Modell, à la Rocket Internet

Rocket Internet ist eine milliardenschwere Start-up-Fabrik, die nach einer Blaupause weltweit eine Vielzahl identischer Online-Händler aus dem Boden stampft. Project Aein vom Versandhauskonzern Otto finanzierter Investmentfonds mit angeschlossener Management-Agentur, der sich in bestehende Onlinehändler einkauft und sie weiterentwickelt. Und Team Europe? Was ist Team Europe?

Der mit Beteiligungen an StudiVZ, brands4friends und Trivagogroß und bekannt gewordene Start-up-Investor ist heute ein Gemischtwarenladen aus rund einem Dutzend Firmen, der so unterschiedliche Branchen wie den Pizza-Lieferanten Delivery Hero (Lieferheld), den Werbevermarkter Madvertise oder den Kunstvermieter A Space for Art vereint.

„Wir sind Company Builder“, sagt Mitgründer Lukasz Gadowski bei einem Gespräch im Juni auf die Frage. „Wir sind eine Gruppe von Leuten, die Unternehmen gründen“, sagt Co-Gründer Kolja Hebenstreit Ende August. Hört sich ähnlich an. Tatsächlich liegen zwischen den Antworten nicht aber nur zwei Monate, sondern Welten. Ließ sich Gadowskis Antwort noch als Beschreibung eines Start-up-Inkubators interpretieren, gibt Hebenstreits Antwort die neue Strategie vor. Wie er bestätigte, wird Team Europe seine Aktivitäten reduzieren. „Wir fokussieren uns“, sagte er der Berliner Morgenpost.

Der zwischenzeitlich eingeschlagene und zuletzt nur noch halbherzig verfolgte Weg, als so genannter Inkubator Unternehmen in Serie zu gründen, in den Markt zu drücken und dann meistbietend zu verkaufen, wird aufgegeben. „Wir werden uns künftig pro Jahr auf ein, zwei Unternehmen konzentrieren“, sagte Hebenstreit. Damit kehrt Team Europe zu seinen Wurzeln zurück.

Grund ist offenbar zum einen, dass sich die zuletzt in kurzer Serie gestarteten Unternehmen wie der Second-Hand-Marktplatz für Kinderkleidung, Kirondo, oder das Restaurant-Kassensystem 9Cookiesunter den Erwartungen entwickelten. Zum anderen fehlt Team Europa für die Betreuung einer Vielzahl von Unternehmen schlicht das begleitende Personal und vor allem das Geld. Hebenstreit wollte das nicht kommentieren.

In der Spitze hat Team Europe 38 Juristen, Controller, Marketing-Spezialisten und Programmierer beschäftigt, um die jungen Unternehmen zu begleiten. Die größte Investition von rund 30 Millionen Dollar zog in diesem Jahr das bereits wohlfinanzierte Lieferdienstportal Delivery Hero auf sich.

Zum Vergleich: Bei Rocket Internet begleiten, unterstützen und überwachen rund 300 kaufmännische und technische Mitarbeiter die Vielzahl von Gründungen weltweit. Allein in diesem Jahr hat der von Oliver Samwer gegründete Inkubator zudem bei Investoren mehr als Milliarde Dollar eingesammelt.

Für Team Europe bedeutet der Umbau im ersten Schritt, dass das Personal deutlich reduziert wird. Das Team soll auf 22 Mitarbeiter schrumpfen.

Betroffen ist vor allem die Marketing-Abteilung, die Mitarbeiter sind bereits vermittelt oder werden in den Unternehmen unterkommen, an denen Team Europe beteiligt ist, sagte Hebenstreit. „Die Marketing-Mitarbeiter werden direkt in den Unternehmen arbeiten, dort wo sie gebraucht werden.“

Mit dem Umbau verbunden ist auch eine Neuordnung der Gesellschafter. Bislang wurden die Team-Europe-Beteiligungen vor allem von Gadowski getragen. Künftig werden Gadowski, Hebenstreit und Markus Fuhrmann in jeweils gleicher Höhe an den Unternehmungen beteiligt sein. Der in diesem Jahr zu Team Europe gewechselte Finanzchef Emmanuel Thomassin soll ebenfalls Partner werden und einen Minderheitsanteil erhalten.

Zugleich bereinigt Team Europe sein Beteiligungsportfolio. Nach dem Notverkauf des Schuh-Shoppingclubs ChicChickClub im März und dem Verkauf der Anteile am Brillenversender Mister Spex im Juni sollen jetzt die Anteile am Personalvermittler iPotentials an Gründerin Constanze Buchheim verkauft werden. Die Verhandlungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Hebenstreit wollte das ebensowenig kommentieren, wie die anhaltenden Branchengerüchte, dass auch Madvertise zum Verkauf stehen soll.

Noch nicht endgültig geklärt ist offenbar, was aus der Team-Europe-Beteiligung am Spiele-Dienstleister Hitfoxvon Seriengründer Jan Beckers wird. Beckers, der in verschiedenen Positionen bei Team Europe groß geworden ist, hat sich von seinen Partnern emanzipiert und baut Hitfox zu einem Inkubator für Spieledienstleister um. Folgt also genau dem Modell, das Team Europe aufgibt. Zudem ist vor allem Team Europes Sponsorpay im selben Markt aktiv wie Hitfox. Beckers hatte im April eigene Anteile an Sponsorpay abgegeben, um im Tausch Anteile an Hitfox zu erhalten.

An der Beteiligung am schnell wachsenden Lieferdienstportal Delivery Hero dürfte Team Europe festhalten. Nach dem Einstieg des russischen Investors Phenomen Ventures, der auch wesentliche Anteile an Rockets Konkurrenz-Portal Foodpanda hält, halten sich Gerüchte über ein mögliches Zusammengehen der Rivalen. Delivery Hero, das vor allem in Deutschland und Europa stark ist, und Foodpanda mit seinen schnell wachsenden Ablegern in Schwellenländern würden sich ergänzen. Hebenstreit wollte das nicht kommentieren.

Festhalten wird Team Europe am Spielekistenversender Wummelkiste und auch an Kirondo. Mit umgebautem Management und geschärfter Strategie wird beim Second-Hand-Marktplatz für Kinderkleidung ein neuer Anlauf genommen. Beim Bezahlsystem 9Cookies wurde die Strategie überarbeitet.