Personalien

Ackermann und der tote Finanzchef

Schweizer Versicherung Zurich will den Fall aufarbeiten. Berichte über internen Druck auf Topmanager

Nach dem Rücktritt Josef Ackermanns als Verwaltungsratschef beim Zurich-Konzern, untersucht das Schweizer Unternehmen die Selbsttötung seines Finanzchefs. Das kündigte Konzernchef Martin Senn bei einer Telefonkonferenz mit Investoren und Analysten an. Das Unternehmen bestätigte zudem, Finanzvorstand Pierre Wauthier habe einen Abschiedsbrief hinterlassen. Darin sei der 53-Jährige auch auf sein Verhältnis zu seinem Verwaltungsratschef Ackermann eingegangen. Einzelheiten wollte der Konzern allerdings nicht nennen.

„Wir wurden informiert, dass ein solcher Brief existiert und wir sind uns seines Inhalts bewusst“, sagte der neue Verwaltungsratschef Tom de Swaan. „Und es ist richtig, dass er sich auf das Verhältnis zwischen Pierre Wauthier und Joe Ackermann bezieht.“ Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Ackermann leitete den Zurich-Verwaltungsrat seit März vergangenen Jahres.

Schweizer Medienberichten zufolge soll Ackermann den Finanzchef wegen des Gewinnrückgangs bei Zurich intern kritisiert haben. „Der Verwaltungsrat sieht es als seine Hauptverantwortung an, der Frage nachzugehen, ob unser Finanzchef unter ungerechtfertigtem Druck stand“, sagte de Swaan. „Uns ist nicht bewusst, dass Druck auf das Management ausgeübt worden ist.“

Ackermann hatte bei seinem Rücktritt am Donnerstag auf den Tod des Finanzchefs verwiesen und erklärt: „Ich habe Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag.“ Mit seinem Schritt wolle er „jegliche Rufschädigung“ für Zurich vermeiden. De Swaan wies Berichte zurück, wonach Ackermann zum Rücktritt gedrängt worden sei. „Es war seine eigene Entscheidung“, sagte De Swann. Dies wurde aus Ackermanns Umfeld bestätigt.

Ackermann gilt als jemand, der Leistungen sehen will und Resultate einfordert. Aus seinem Umfeld hieß es am Freitag mit Blick auf den Rücktritt: Nach dem Selbstmord Wauthiers habe der Spitzenmanager keine Chance gesehen, den Umbau des Versicherers weiter voranzutreiben – der Tod des Finanzchefs hätte immer als Schatten darauf gelegen. Wauthier war am Montag in seiner Wohnung tot aufgefunden worden.

Konzernchef Senn wandte sich gegen „Spekulationen“, wonach der Suizid des 53-jährigen Wauthier und Ackermanns Rücktritt in irgendeinem Zusammenhang mit den jüngsten Halbjahresergebnissen des Zurich-Konzerns stehen könnten. „Die Zahlen sind wie sie sind“, sagte Senn. Im ersten Halbjahr 2013 ging der Gewinn um 17 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar (1,44 Milliarden Euro) zurück. Allerdings lag dies dem Konzern zufolge vor allem an den hohen Ausgaben für Schadensregulierung nach Naturkatastrophen wie den Überschwemmungen in Mittel- und Osteuropa.

Zurich-Chef Senn versicherte: „Unsere Strategie bleibt durch die jüngsten Ereignisse unverändert.“ Zuletzt lief das Geschäft bei Zurich aber nicht mehr so gut. In Deutschland musste das Unternehmen zusätzlich mehr als 700 Millionen Euro reservieren. Zudem wackeln die Mittelfristziele. Und seit dem letzten Herbst verließen fast ein halbes Dutzend Bereichschefs den Zurich-Konzern. Zuletzt ging Kevin Kogan, der Chef des globalen Lebensversicherungsgeschäfts. Davor war Mario Greco, der Chef der Sachversicherungssparte, zur italienischen Generali gewechselt.