Brandenburg

Lausitzer setzen auf neue Braunkohletagebaue

Eine Umfrage zeigt große Zustimmung. Die Menschen fürchten Arbeitslosigkeit

Nach der Atomkraft gerät die Braunkohle-Verstromung ins Visier von Klimaschützern und Grünen. Doch wie sehen die Menschen in den betroffenen Braunkohlegebieten diese Entwicklung der Energiewende? In einer groß angelegten Umfrage des Forsa-Instituts in Brandenburg und Sachsen sprachen sich jetzt zwei Drittel der Befragten für neue Braunkohletagebaue aus.

Die Meinungsumfrage im größten deutschen Braunkohlegebiet hatte die Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie in Auftrag gegeben. Die Forsa-Mitarbeiter befragten mehr als 2000 Menschen in der Lausitz im Juni nach ihren Ängsten und Hoffnungen, besonders aber dazu, was sie von der Energiewende und der Energiepolitik der Bundesregierung halten.

Das Ergebnis der bislang unveröffentlichten Umfrage liegt der Berliner Morgenpost vor: Mit 67 Prozent sprechen sich zwei von drei Lausitzern in Brandenburg und Sachsen für neue Braunkohletagebaue aus. Nur ein Fünftel (20 Prozent) erklärte, die Erschließung neuer Tagebau sei „nicht zu verantworten, weil die Schäden für Umwelt und Natur zu groß sind“.

Die heimische Braunkohle deckt zur Zeit rund 26 Prozent des deutschen Elektrizitätsbedarfs. Sie ist die größte Stromquelle vor den erneuerbaren Energien, die auf einen Anteil von 25 Prozent kommen. Braunkohle-Kraftwerke benötigen keine Subventionen und gehören zu den billigsten Stromlieferanten am Großhandelsmarkt. Allerdings sind mit den Tagebauen gewaltige Landschaftseingriffe verbunden. Zudem bringt die Nutzung dieses Brennstoffs vergleichsweise hohe Kohlendioxid-Emissionen.

Entsprechend kontrovers wird die Nutzung der Braunkohle politisch bereits diskutiert. Die in der Forsa-Umfrage gewählte Stichprobe war rund doppelt so groß wie in der Meinungsforschung gemeinhin üblich. Sie erlaubt deshalb auch die Unterscheidung der Antworten nach Parteizugehörigkeit.

Bei der Frage nach der Notwendigkeit, den Braunkohletagebau zu erweitern, liegt beispielsweise mit 73 Prozent der Anteil der Anhänger der Linken signifikant über dem Durchschnitt. Und selbst 34 Prozent der Anhänger der Grünen sprechen sich dafür aus, die Tagebaue zu erweitern. Die Frage, ob es richtig sei, nach den Atomkraftwerken auch noch die Kohlekraftwerke abzuschalten, beantworten sogar fast neun von zehn Befragten mit nein.

Der Grund für den hohen Grad an Zustimmung zu einer sonst kontrovers diskutierten Energiequelle ist recht eindeutig: die Angst vor Arbeitslosigkeit. Obwohl die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf dem niedrigsten Stand seit Jahren ist, nannten in der Lausitz 56 Prozent der Menschen die Arbeitslosigkeit als größtes Problem. In weitem Abstand folgt mit 16 Prozent die Abwanderung junger Menschen. Umweltprobleme hielten nur vier Prozent der Befragte für vordringlich.

Entsprechend hat für die Bewohner der Lausitz die Bezahlbarkeit der Energie für Haushalte und Wirtschaft die größte Priorität (75 Prozent), gefolgt von der sicheren und zuverlässigen Versorgung mit Energie (64 Prozent). Demgegenüber ist es 32 Prozent der Befragten sehr wichtig, dass das Landschaftsbild nicht beschädigt wird.

Wie aus der Forsa-Umfrage weiter hervorgeht, glauben von den Bewohnern der Lausitz nur 16 Prozent, dass die Energiewende für Menschen und Wirtschaft neue wirtschaftliche Impulse bringen wird. Rund 62 Prozent dagegen meinen, durch die Energiewende kämen zusätzliche finanzielle Belastungen auf Menschen und Wirtschaft zu. An neue wirtschaftliche Impulse glauben in der Lausitz auch nur 34 Prozent der Grünen-Anhänger.