Personalien

GSW befördert Vorstände zu Doppelspitze

Kaufverhandlungen mit Deutsche Wohnen in Kürze

Der Berliner Wohnungskonzern GSW hat jetzt ganz offiziell eine neue Führungsspitze – und muss dafür nicht einmal jemanden einstellen. Nachdem im Juli Vorstandschef Bernd Kottmann nach einem Aktionärsaufstand hatte gehen müssen, wurden nun die verbliebenen Vorstandsmitglieder gleichberechtigt zu Vorstandsvorsitzenden befördert. Jörg Schwagenscheidt und Andreas Segal bilden eine Doppelspitze.

Die Entscheidung entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Viele Aktionäre hielten beide Manager von vornherein für geeignete Kandidaten, als die GSW im März einen Nachfolger für den langjährigen Vorstandschef Thomas Zinnöcker suchte. Doch seinerzeit holte der damalige Aufsichtsratschef Eckart John von Freyend seinen Spezi Bernd Kottmann zur GSW. Beide verbindet eine Zusammenarbeit beim aktuell schwer angeschlagenen Bonner Immobilienriesen IVG. Wichtige Aktionäre rebellierten; Kottmann und von Freyend mussten gehen. Und mittendrin in dieser Phase intensiver Selbstbeschäftigung unterbreitet Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn den Aktionären der GSW ein Übernahmeangebot. Jetzt hat Zahn wenigstens zwei ordentlich mandatierte Ansprechpartner.

GSW-Aufsichtsratschef Claus Wisser, selbst erst seit Kurzem im Amt, sagte, man habe externe und interne Lösungen mit einem Personalberater geprüft. „Abschließend sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass es keine bessere Lösung als die Doppelspitze gibt.“ Ausschlaggebend dürfte aber das Übernahmeangebot der Deutsche Wohnen sein. Welcher ambitionierte Manager lässt sich schon zu einem Unternehmen lotsen, das in absehbarer Zeit seine Eigenständigkeit verlieren dürfte?

Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass Deutsche-Wohnen-Chef Zahn mit seinem Angebot im Wert von 1,8 Milliarden Euro erfolgreich sein wird. In Teilen sind die Aktionäre identisch. Hier wie dort halten beispielsweise US-Fonds wie Sun Life und BlackRock große Pakete. Für 20 GSW-Aktien bietet Zahn den Aktionären 51 Anteilscheine der fusionierten neuen Gesellschaft.

Kommt die Übernahme zustande, entstünde der zweitgrößte börsennotierte Immobilienkonzern Deutschlands hinter der Annington. Zudem hätte das fusionierte Unternehmen in Berlin eine einmalig starke Marktstellung. Aktuell besitzen beide Gesellschaften in der deutschen Hauptstadt knapp 110.000 Wohneinheiten.