Kommentar

Chef raus reicht nicht

Thomas Heuzeroth über die Lage beim Software-Konzern Microsoft

Microsoft-Chef Steve Ballmer kündigt seinen Rückzug an – und die Aktie springt hoch. Wird jetzt alles gut? Nein, aber vieles könnte schnell besser werden. Doch dazu braucht es mehr als einen neuen Chef. Der Kursausschlag zeigt erst einmal, dass Investoren Ballmer nicht mehr viel zugetraut haben. Er steht seit 13 Jahren an der Spitze und ist für alle Probleme verantwortlich, mit denen sich der größte Software-Konzern der Welt heute herumschlägt. Sein Weggang ist daher konsequent. Der Konzern wandelt sich von einem Software-Anbieter in ein Geräte- und Dienste-Unternehmen. Bislang ist das nicht geglückt. Ballmer war zwar nicht untätig. In einem Kraftakt hat er das Betriebssystem „Windows Phone“ für Smartphones neu schreiben lassen. Doch eine gute Software reicht heute nicht mehr. Der Marktanteil ist noch viel zu klein, um genügend Entwickler zu interessieren. Doch damit steht und fällt der Erfolg. Deswegen steht Microsoft vor wichtigen Entscheidungen: Wie lässt sich Windows Phone als drittes Ökosystem neben Googles Android und Apple etablieren? Reicht eine Partnerschaft mit Nokia? Oder sollte Microsoft selbst Smartphones herstellen und dafür sogar Nokia kaufen? Was auch immer geschieht, es muss schnell gehen. Daher darf sich Microsoft auch nicht ein Jahr Zeit nehmen, um einen Ballmer-Nachfolger zu finden. Sonst fällt das Unternehmen in eine Starre.