Kommentar

Doping am Arbeitsplatz

Stefan von Borstel über die Verbreitung von Psychopharmaka in Deutschlands Büros

Unsere Gesellschaft und Arbeitswelt wandeln sich und damit auch unsere Krankheiten. In unserer Wohlstandsgesellschaft ist die harte körperliche Arbeit am Fließband auf dem Rückzug – damit sinkt auch die Zahl der Fehltage wegen körperlicher Leiden. Dennoch bleibt der Krankenstand konstant, denn im Gegenzug nehmen Suchterkrankungen zu. Besonders besorgniserregend: Es sind nicht länger nur die Volksdrogen Alkohol und Nikotin, zu denen gestresste Arbeitnehmer greifen. Immer mehr Beschäftigte dopen sich mit Psychopharmaka, um am Arbeitsplatz zu bestehen. Dieser Trend zeigt sich nicht nur bei den Fehltagen. Psychische Erkrankungen wie Burn-out sind mittlerweile auch der Hauptauslöser für eine Frühverrentung. In der modernen Arbeitswelt steigen die Anforderungen, die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit verschwimmen, ständige Erreichbarkeit ist gefragt, und das richtige Maß zwischen Anspannung und Entspannung geht verloren.

Es gibt aber nicht nur den Druck von „oben“ – gerade hoch motivierte Beschäftigte, die nicht Nein sagen können, setzen sich selbst unter Termin- und Leistungsdruck. Und wenn es nicht mehr geht, dann werden eben Pillen geschluckt.

Wichtig ist, bei der Arbeit Maß und Mitte zu finden. Gefragt sind dabei aber nicht nur gute Chefs, sondern natürlich auch jeder Beschäftigte selbst.