Übernahme

Lexmark kauft in Berlin ein

US-Druckerkonzern übernimmt für mehr als 50 Millionen Eurodie Softwarefirma Saperion

Ein großer Exit, raunt es gern in der Gründerszene der Hauptstadt, das wäre mal was. Also der Verkauf einer Firma für viele, viele Millionen Euro. Soundcloud vielleicht, oder Researchgate oder eines der anderen bekannten Start-ups. Beobachter sprechen von einem wichtigen Signal. Es würde zeigen, dass in Berlin richtig was geht. Bislang bleibt dieses Signal aus. Dafür lässt ein fast 30 Jahre altes Softwareunternehmen namens Saperion aufhorchen. Für umgerechnet 54 Millionen Euro kauft sich der amerikanische Drucker- und Softwarekonzern Lexmark das Berliner Unternehmen, das ein Spezialist für Firmensoftware ist.

Vor wenigen Monaten gab es zwei Übernahmen, die in das gleiche Raster passen. Im April kaufte eine Sparte des Unterhaltungselektronikriesen Panasonic den Berliner Anbieter Aupeo, einen Spezialisten für Musikdienste in Autoradios. Im vergangenen Herbst übernahm der weltgrößte Onlinehändler Amazon den Berliner Cloud-Spezialisten Peritor.

Auch Saperion ist ein Softwarespezialist, ein Nischenanbieter. Allerdings hat das Unternehmen eine sehr profitable Nische gefunden. Im Geschäftsjahr 2011/2012 machte Saperion einen Umsatz von 20,4 Millionen Euro und einen Vorsteuergewinn von mehr als vier Millionen. Von solcher Profitabilität sind Berliner Start-ups in aller Regel weit entfernt.

Herbert Lörch ist der Chef von Saperion und sagt: „Das ist ganz gut, dass wir durch die Übernahme ein bisschen aus dem Berliner Sumpf rauskommen.“ Wobei er gleich hinterherschiebt, dass man das nicht falsch verstehen möge. Er bezieht das auf die wachsende Internationalität, die wohl mit der Übernahme einhergehen wird. Lörch kam vor neun Jahren zu Saperion und hat aus einer kleinen Softwarebude einen Mittelständler mit internationalem Vertrieb aufgebaut. Saperion unterhält Tochterfirmen in Großbritannien, den USA und Singapur.

Mit Saperion-Software lässt beispielsweise der Klebstoffgigant Henkel weltweit alle anfallenden Rechnungen verwalten. „Da fallen im Jahr gut zwei Millionen an, in allen denkbaren Sprachen“, sagt Lörch. Henkel lässt sie in Service-Centern einscannen, danach übernimmt die Saperion-Software die Datenverwaltung. Für Daimler archivieren die Berliner die Daten der Autos: von der Produktion am Band über Inspektionszyklen und Werkstattbesuche. „Enterprise Content Management“ nennt sich diese Art Software und lässt sich ungefähr übersetzen mit Datenverwaltung für Unternehmen. Die Berliner besetzen dabei Nischen zwischen den Programmen der großen Firmensoftwarekonzerne wie SAP und Oracle.

Verschwiegen gibt sich Lörch zur Zukunft. Fragen nach dem Grad der Eigenständigkeit kann er ebenso wenig beantworten wie solche nach seinem Verbleib. Der Grund: Das Bundeskartellamt prüft die Übernahme. Vorher darf zu neuen Strukturen nichts entschieden und bekannt gegeben werden. Der Käufer Lexmark ist in den USA an der Börse notiert. Erst wenn die Wettbewerbshüter geprüft haben, wird entschieden.

Im Vergleich zum Käufer ist Saperion ein Winzling. Die Berliner beschäftigen 160 Mitarbeiter. Lexmark, in Deutschland für Drucker und Kopierer bekannt, hat weltweit rund 13.000 auf der Lohn- und Gehaltsliste. Besonders angetan waren die Amerikaner wohl von der Kundenliste der Berliner. Darauf stehen lauter Konzernschwergewichte. Neben Daimler und Henkel sind das Siemens, Lufthansa, E.on und Schindler.

Obwohl Saperion mit einem Unternehmensalter von 28 Jahren nicht zur jugendlichen Start-up-Welt zählt, profitiere man durchaus, wie Lörch sagt. Die Gewöhnung der Menschen an leicht bedienbare Apps und Mobilgeräte, verändere auch die Ansprüche an Spezialsoftware. „Kaum ein Unternehmen akzeptiert es heute, wenn die Mitarbeiter erst einmal wochenlang geschult werden müssen“, sagt Lörch. Einfache und intuitive Bedienung wie im Geschäft mit Konsumartikeln setze sich durch.