Arbeitsrecht

Nebentätigkeit mit rechtlichen Tücken

Viele Deutsche haben zwei Jobs. Wer sich nicht an die Vorschriften hält, riskiert die Kündigung

In Deutschland müssen immer mehr Menschen ihr Gehalt mit Nebentätigkeiten aufbessern. Jeder elfte aller 29,14 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat mittlerweile einen Nebenjob. Arbeitnehmer müssen dabei jedoch umsichtig sein und die Regeln beachten. Sonst gefährden sie ihr Hauptarbeitsverhältnis gleich mit. „Arbeitnehmer riskieren so zumindest eine Abmahnung oder gar eine Kündigung“, sagt Michael Eckert, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Heidelberg.

Besonders streng sei die Rechtsprechung bei Wettbewerbsverstößen. Wer im Nebenjob einen Konkurrenten des Hauptarbeitgebers durch die eigene Tätigkeit heimlich unterstütze, zeige deutlich, dass das notwendige Vertrauen zum Hauptarbeitgeber fehle, sagt Rechtsanwalt Eckert. „Folge ist dann meist die fristlose Kündigung.“

Zunächst sollten Arbeitnehmer, die eine Nebentätigkeit aufnehmen müssen, prüfen, ob und gegebenenfalls was zum Thema Nebentätigkeiten in ihrem Arbeitsvertrag und – soweit anwendbar – in einem Manteltarifvertrag geregelt ist, wie Eckert sagt. Eigentlich logisch: Man darf seinem Hauptarbeitgeber keine Konkurrenz machen.

Zudem gibt es eine gesetzliche Obergrenze für Arbeitszeiten – für Haupt- und Nebenarbeitsverhältnis zusammengenommen. „Die Höchstgrenze liegt täglich bei zehn Stunden – durchschnittlich dürfen aber täglich nur acht Stunden gearbeitet werden, wobei der Sonnabend als Arbeitstag zählt“, rechnet Eckert vor. Binnen sechs Monaten müsse Mehrarbeit so ausgeglichen werden, dass der Acht-Stunden-Durchschnitt eingehalten werde.

Außerdem müssen Ruhepausen zwischen zwei Arbeitseinsätzen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mindestens elf Stunden betragen. Arbeitnehmer, die täglich acht Stunden im Hauptarbeitsverhältnis arbeiten, dürften sonnabends nochmals bis zu acht Stunden eine Nebentätigkeit ausüben. Oder vor beziehungsweise nach der Arbeit bis zu zwei Stunden im Nebenjob dranhängen. Aber: „Wer morgens um sechs Uhr mit dem Hauptarbeitsverhältnis beginnt, muss am Abend vorher die Tätigkeit für einen Nebenjob spätestens um 19 Uhr beenden“, gibt Eckert zu Bedenken. Nicht zulässig sei es, morgens bis um ein Uhr in der Kneipe zu bedienen, wenn man am gleichen Vormittag wieder früh an den Hauptarbeitsplatz müsse.

Kontrolle durch Arbeitgeber

Der Chef könne zudem einschreiten, wenn ein Nebenjob so sehr an den Kräften zehre, dass er die Haupttätigkeit einschränke, sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Köln. Es liege zudem in der Verantwortung des Arbeitgebers, die gesetzlichen Vorschriften zur Arbeitszeit einzuhalten: „Arbeitgeber müssen das überprüfen“, sagt Oberthür. Machen sie das nicht, drohen empfindliche Geldbußen.

Nur wenn es vertraglich vereinbart ist, müssen Mehrfachbeschäftigte ihrem Arbeitgeber weitere Anstellungsverhältnisse offenbaren. Ratsam sei das in den allermeisten Fällen aber dennoch, sagt Anwalt Eckert. „Auch dann, wenn der Arbeitsvertrag nicht ausdrücklich eine Information des Arbeitgebers oder dessen vorherige Zustimmung zur Nebentätigkeit vorsieht, sollte er im Interesse eines guten Vertrauensverhältnisses über den Nebenjob informiert werden.“ Auch Claudia Müller von der Minijobzentrale in Bochum rät, den Hauptarbeitgeber immer über einen Zweitjob zu informieren. „Dann erlebt man auch keine bösen Überraschungen.“

Im Urlaub übrigens darf nicht in jedem Fall Geld verdient werden. Nebentätigkeiten in den Ferien sind nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertags verboten, wenn sie der Erholung des Arbeitnehmers im Wege stehen – denn genau dafür ist der Urlaub ja vorgesehen. So dürften Büroarbeiter dem Arbeitsgesetz zufolge keinen weiteren Bürojob annehmen. Jobben im Biergarten sei in diesem Fall aber erlaubt, heißt es beim DIHK. Die körperliche Anstrengung könne schließlich erholsam sein.