Kommentar

Letzte Reserve

Ernst August Ginten über den Sanierungskurs der Air-Berlin-Spitze

Die größte Leistung der Air Berlin besteht mittlerweile darin, dass es sie überhaupt noch gibt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms „Top Bonus“ Ende vergangenen Jahres war eine meisterhafte Finanztransaktion. Gereicht hat sie aber nicht, um nachhaltig wieder in der Gewinnzone zu landen. Der jetzt angekündigte Verkauf von Air-Berlin-Flugzeugen an eine chinesische Leasinggesellschaft zeigt, dass die Lage trotz gegenteiliger Beteuerungen dramatisch ist und bleibt. In den derzeit noch 28 eigenen Air-Berlin-Flugzeugen stecken die letzten stillen Reserven.

Prock-Schauer und seine Leute mühen sich allerdings mehr als redlich, ihre Flieger profitabler auf den Weg zu bringen. Die ausgegebenen Sparziele werden erreicht, der Umsatz trotzt weniger Flugangebot stabil gehalten. Seit vielen Wochen gehen die Berliner bei Lieferanten, wie zum Beispiel den Flughäfen, Klinken putzen, um die Preise für deren Dienstleistungen neu zu verhandeln.

Der unbedingte Sparwille ist überlebenswichtig. Angesichts des harten Wettbewerbs schaffte Air Berlin es nicht einmal, die Durchschnittspreise in den letzten Monaten um einen Euro anzuheben. Das wird sich so schnell auch nicht ändern. Deshalb bleibt dem Air-Berlin-Management momentan wohl nur zu hoffen, dass es ab jetzt anfängt in Strömen zu regnen – und die noch mauen Buchungszahlen für den Herbst anziehen.