Verluste

Air Berlin verkauft Flugzeuge

Das Eigenkapital der angeschlagenen Fluggesellschaft ist aufgebraucht. Ein Leasinggeschäft schafft kurzfristig Abhilfe

Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin kommt auf ihrem Sanierungskurs zu langsam voran. Das Eigenkapital ist aufgebraucht. Deshalb hat der neue Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer seinen Finanzvorstand nach China geschickt, um Flugzeuge zu verkaufen. Mit Erfolg. Gestern Mittag wurde kurz nach der Präsentation der enttäuschenden Halbjahreszahlen mitgeteilt, dass die neu gegründete Leasinggesellschaft Minsheng Commercial Aviation und Air Berlin einen Vertrag über die Übernahme von insgesamt elf Flugzeuge abgeschlossen haben. Darunter teilweise gebrauchte Maschinen, teilweise sind die Flugzeuge nagelneu.

Dabei handelt es sich um fällige Auslieferungen aus den Großbestellungen der vergangenen Jahre, die der Mitgründer und langjährige Vorstandschef Joachim Hunold noch unterschrieben hatte. Derzeit fliegt Air Berlin noch mit 147 Flugzeugen, davon 28 im Eigentum. Die Zahl der geflogenen Strecken dampfte Air Berlin im zweiten Quartal auf 440 ein, im Vorjahr hatte die Fluggesellschaft noch 520 Verbindungen.

Prock-Schauer hofft, dass er durch den Verkauf die Schulden bis Ende des Jahres von derzeit knapp 700 Millionen Euro auf 500 Millionen Euro drücken kann. Zusätzlich bekommt Minsheng die Option, vier Boeing 737 von Air Berlin auf dem chinesischen Markt zu platzieren. Die Transaktionen werden in diesem Jahr und im Jahr 2014 abgeschlossen.

Doch längerfristig reichen die Erlöse aus dem Verkauf für Air Berlin nicht aus, um über die Runden zu kommen. Deshalb könnte frisches Geld am Kapitalmarkt aufgenommen werden, sagte der Österreicher Prock-Schauer. Zunächst müsse aber die Sanierung greifen. „Wenn das funktioniert, schließen wir eine Kapitalmaßnahme nicht aus.“ Nach einer übereilten Expansion und hohen Verlusten hat sich Air Berlin eine Rosskur verordnet, der jede Zehnte der 9000 Stellen zum Opfer fällt. Der Personalabbau werde wie geplant vorangetrieben, zum Monatsende Juli habe die Fluggesellschaft bereits 300 Stellen abgebaut.

Flugbuchungen sind rückläufig

Bislang wurde Air Berlin großzügig von Etihad über Wasser gehalten. Die aggressiv wachsende Fluglinie aus Abu Dhabi hält seit anderthalb Jahren knapp 30 Prozent an Air Berlin und hatte die Fluggesellschaft wiederholt direkt und indirekt mit Finanzspritzen gestützt.

Trotz aller Sparanstrengungen hat es Air Berlin in den letzten Monaten nicht geschafft, wenigsten operativ in die schwarzen Zahlen zu fliegen. Zwar konnte Wolfgang Prock-Schauer den Verlust im zweiten Quartal von 29,4 auf 8,1 Millionen Euro verringern, aber die Aussichten für die kommenden Wochen sind durchwachsen.

Zwar wird es Air Berlin es wohl schaffen, im laufenden Jahr wie geplant die Kosten um rund 200 Millionen Euro zu senken, aber das gute Wetter könnten den Berlinern beim Ticketverkauf einen dicken Strich durch die Erfolgsrechnung machen.

Die heißen Temperaturen in Deutschland haben offenbar im Juli und August dazu geführt, dass die Urlaubsbuchungen in Richtung Mittelmeer merklich zurückgegangen sind. Prock-Schauer bleibt zwar bei seinem Vorhaben, am Ende des Jahres „eine schwarze Null“ schaffen zu wollen, allerdings werde die „Zielerreichung anspruchsvoller.“

Der September und Oktober sind für Air Berlin laut Prock-Schauer „extrem wichtig“ für den Unternehmenserfolg. Nach dem tiefroten Zahlen im ersten Quartal muss der Österreicher es aber jetzt schaffen, bis Ende des Jahres einen Halbjahresverlust von fast 200 Millionen Euro zu neutralisieren. Die Mitarbeiter von Air Berlin sehnen sich also nach regnerischen Tagen.

In der Bilanz von Deutschlands zweitgrößter Airline sieht es bereits jetzt sehr düster aus. Nach den anhaltenden Verlusten der letzten Jahre verfügt Air Berlin über kein Kapitalpolster mehr. Das Eigenkapital lag Ende Juni bei minus 116,3 Millionen Euro, Ende März betrug das Minus lediglich 53,1 Millionen Euro.

Die Nettoverschuldung beträgt immer noch 706 Millionen Euro. Das kostet viel Geld und verunsichert Banken und Anleger. Die Aktie lag zeitweise knapp fünf Prozent im Minus. Im ersten Halbjahr musste Air Berlin allein 44,9 Millionen Euro für Zinsen aufbringen, hat aber gleichzeitig die liquiden Mittel stark erhöht, um im Tagesgeschäft flexibel zu sein. Zudem soll weiter strikt gespart werden, sagte der Air-Berlin-Chef. Eine Einsparung von nur einem Euro pro Fluggast summiere sich bei jährlich 33 Millionen Passagieren.

Die fliegen derzeit zu einem großen Teil nach Spanien. „Das ist mit rund sechs Millionen Fluggästen unser drittwichtigster Markt.“ Das liegt auch daran, dass Air Berlin in den vergangenen Wochen angesichts der Gewalt in Ägypten das Flugangebot in Richtung Rotes Meer reduziert und vor allem in Richtung Kanaren umgeleitet hat.

Prock-Schauer sieht deshalb keinen weiteren Handlungsbedarf. Seiner Ansicht nach haben die meisten Urlauber in den vergangenen Monaten gelernt „zwischen Kairo und den touristischen Orten“ zu unterscheiden. „Wir fliegen derzeit mit hoher Auslastung ans Rote Meer.“