Verbraucher

Butter knapp ein Drittel teurer

Die Lebensmittelpreise stiegen im Juli um fast sechs Prozent. Das liegt nicht nur an der schlechten Ernte

Langer Winter, nasses Frühjahr, heißer Sommer: Schlechte Ernten haben Lebensmittel in Deutschland stark verteuert. Die Preise für Butter, Obst, und andere Esswaren stiegen im Juli um 5,7 Prozent – so stark wie seit fast fünf Jahren nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt meldete. Insgesamt betrug die Inflationsrate lag die Inflationsrate bei 1,9 Prozent, weil andere Produkte im Warenkorb, nachdem sich die Teuerung berechnet, billiger wurden. Einzelhändler machen den Kunden zudem wenig Hoffnung, dass Essen bald wieder billiger wird.

Spürbar tiefer in die Taschen greifen mussten die Verbraucher beispielsweise für Butter. Sie kostete knapp ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Gemüse verteuerte sich um 11,7 Prozent, wobei es bei Kartoffeln mit 44,4 Prozent den stärksten Anstieg gab. Für Obst wurden im Schnitt 11,3 Prozent mehr verlangt – für Äpfel sogar 22,3 Prozent mehr. „Das erst kalte und dann sehr regenreiche Frühjahr hat die Ernte erschwert“, sagte ein Sprecher des Bauernverbandes.

In Berlin und Brandenburg war Gemüse sogar 12,4 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, Obst kostete 11,7 Prozent mehr, wie das Amt für Statistik in Berlin-Brandenburg meldete – und das, obwohl es rund um die Hauptsstadt viele Obstbaubetriebe gibt. Allerdings fiel die Ernte bisher eher schlecht aus. Petra Lack, Geschäftsführerin von Werder Frucht, einem der größten Gemüseproduzenten in Brandenburg, schätzt, dass die Apfelernte nur halbsogut ausfallen werde wie üblich. Blumenkohl allerdings wurde billiger, im Schnitt um 45,3 Prozent.

Nach Angaben des Handelsverbandes HDE ist nicht damit zu rechnen, dass die Lebensmittelpreise insgesamt schnell wieder sinken, eher das Gegenteil. „Wir haben nicht nur Wetterkapriolen, die die Ernten beeinträchtigen, sondern durch den wachsenden Wohlstand in Schwellenländern wie China auch eine steigende Nachfrage nach Agrar-Rohstoffen“, sagte HDE-Sprecher Kai Falk.

Das sehen die Welternährungsorganisation FAO und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ähnlich. „Steigende Preise werden im kommenden Jahrzehnt sowohl für Getreide als auch für Vieh erwartet“, heißt es im gemeinsamen Ausblick für 2013 bis 2022.

Wegen knapper Anbauflächen, gestiegenen Produktionskosten und zunehmenden Umweltbelastungen werde die weltweite Agrarproduktion bis 2022 nur noch um jährlich 1,5 Prozent wachsen. In den vergangenen zehn Jahren seien es noch 2,1 Prozent gewesen, berichten die Organisationen. Gleichzeitig steige die Nachfrage durch die wachsende Weltbevölkerung, höhere Einkommen und veränderte Ernährungsgewohnheiten.