Personalien

Chaos bei der Bahn: Konzern entlässt Spitzenmanager

DB-Netz-Vorstand muss wegen der Vorfälle in Mainz gehen

– Das Chaos am Mainzer Hauptbahnhof hat bei der Bahn personelle Konsequenzen. Wie die „Stuttgarter Zeitung“ unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, wird der Vorstand Produktion der DB Netz AG, Hansjörg Hess, von seinen Aufgaben entbunden. Eine Unternehmenssprecherin sagte dazu, man führe keine Personaldiskussionen über die Medien. Unterdessen häuft sich die Kritik an dem bundeseigenen Konzern.

Mainz ist seit einer Woche abends und nachts weitestgehend vom Fernverkehr abgekoppelt, da knapp die Hälfte der 15 Fahrdienstleiter im Stellwerk krank oder im Urlaub ist und die Bahn kein Personal mehr hat. Ab Montag wird es deshalb auch tagsüber zu enormen Einschränkungen kommen. Die Eisenbahnergewerkschaft EVG sagte unlängst, dass ein solcher Personalnotstand auch in anderen Regionen vorkommen könne.

Der Chef des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter (Grüne), kritisierte die Sparmaßnahmen. „Bei der Bahn wird massiv gespart und nur auf die Rendite geschaut“, sagte Hofreiter der „Rheinischen Post“. Der Bund habe das Unternehmen nicht ausreichend ausgestattet. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) solle sich bei den Mainzern dafür entschuldigen, dass er vier Jahre lang geschlafen habe.

Auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sieht Handlungsbedarf beim Bund. „Die Bahn macht damit den deutschen Schienenverkehr international lächerlich“, kritisierte Brüderle. Das Chaos ist aus Sicht der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) nur die „Spitze des Eisberges“. Vorstandsmitglied Reiner Bieck sagte am Sonnabend im RBB-Inforadio, bundesweit fehlten etwa 1000 Fahrdienstleiter. „Die Situation resultiert aus einer falschen Personalplanung. Sie war auf Kosten getrimmt und nicht am Bedarf orientiert.“

Gleichzeitig gibt es Berichte, wonach der hohe Krankenstand eine Art „verdeckter Streik“ der Eisenbahnergewerkschaft EVG sei. Dies berichtet die Mainzer „Allgemeine Zeitung“. Vieles deute auf eine konzertierte Aktion hin, zitiert die Zeitung aus Berliner Aufsichtsratskreisen. Die Gewerkschaft bezeichnete die Vorwürfe am Abend als „Rückzugsgefecht der Bahn“. Fahrdienstleiter seien ein neuralgischer Bereich, in dem auch das hohe Durchschnittsalter der Bahnmitarbeiter deutlich schnellere personelle Folgen habe, sagte Jürgen Hoffmann, der Leiter der EVG-Landesgeschäftsstelle.

Die Ablösung des Produktionsvorstands Hess ist laut „Stuttgarter Zeitung“ schon länger geplant gewesen. Die aktuellen Ereignisse in Mainz hätten sie jedoch beschleunigt.

Die Bahn lässt unterdessen zum Bundesliga-Spiel Mainz 05 gegen VfB Stuttgart am Sonntag etwas mehr Züge zum Mainzer Hauptbahnhof rollen. Möglich ist das, weil ein Fahrdienstleiter einspringt. Dieser werde am Sonntag zwischen 18.00 und 21.00 Uhr im Einsatz sein, sagte ein Bahnsprecher am Sonnabend. Ab Montag müssen sich Reisende weiterhin auf einen stark eingeschränkten Fahrplan einstellen.