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Reichster Mann der Welt gefährdet Mobilfunkfusion

Carlos Slim will KPN übernehmen, um den Verkauf von E-Plus an O2 zu stoppen

Es ist ein Übernahme-Coup mit Folgen für Deutschland: Der mexikanische Telekom-Milliardär Carlos Slim will den niederländischen Konzern KPN für gut sieben Milliarden Euro schlucken. Wackeln könnte damit ein anderer Deal. Denn KPN hat vor Kurzem den Verkauf seiner deutschen Mobilfunk-Tochter E-Plus beschlossen, ohne Slim und sein einflussreiches Unternehmen America Movil dafür an Bord zu holen.

„Bei E-Plus gibt es nun ein signifikantes Risiko, dass sie den Verkauf jetzt blockieren“, sagte Analyst Will Draper von der Bank Espirito Santo. Mit den Überlegungen bei America Movil vertraute Personen hatten zuvor schon betont, dass Slim die gut acht Milliarden Euro, die der Käufer O2 für E-Plus bietet, für zu niedrig hält. „Mit der Offerte für KPN hat Slim auf jeden Fall gezeigt, dass er den E-Plus-Verkauf zu Fall bringen kann“, sagte ein Investor, der Anteile an KPN und O2 hält.

Ganz überraschend ist das Störfeuer aus Mexiko nicht, da America Movil der spanischen O2-Mutter Telefónica in inniger Feindschaft verbunden ist. Die beiden Firmen sind in vielen Ländern Lateinamerikas Rivalen und kämpfen dort mit harten Bandagen um die Vorherrschaft. Slim ist kein angenehmer Gegner: Der 73-jährige Mexikaner führt die „Forbes“-Liste der Superreichen mit einem Vermögen von 73 Milliarden Dollar an und ist in Mexiko nach dem Staat größter Arbeitgeber. Dort gehören ihm auch Immobilienunternehmen, Erdölzulieferer, Bäckereien und Restaurants. America Movil bietet nach eigenen Angaben 2,40 Euro je KPN-Aktie. Der Preis komme einem Aufschlag von 35 Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage gleich, hieß es. Die Papiere von KPN schossen daraufhin an der Amsterdamer Börse um 16 Prozent auf 2,32 Euro in die Höhe.

KPN erklärte, das 7,2 Milliarden Euro schwere Angebot nun prüfen zu wollen. Über seinen America-Movil-Konzern hält Slim bereits 29,8 Prozent an dem ehemaligen niederländischen Telefon-Monopolisten. Eine Vereinbarung, seine Anteile nicht über 30 Prozent aufzustocken, hatte der Milliardär gekündigt, nachdem die Kaufofferte von O2 für E-Plus bekannt geworden war.

Allerdings gibt es in den Niederlanden eine sehr spezielle und wirkungsvolle Abwehrmöglichkeit. KPN hat das gesetzliche Recht, über eine Stiftung jeden Übernahmeversuch abzublocken, der „Fortbestand, Unabhängigkeit und Identität“ des Unternehmens bedroht. Die Klausel könnte Anwendung finden, da im Falle einer erfolgreichen KPN-Übernahme die Kontrolle über einen Großteil der niederländischen Telekommunikationsinfrastruktur im Endeffekt an einen einzigen ausländischen Unternehmer fällt.

Zusammen würden O2 und E-Plus, die bislang weit abgeschlagen hinter der Telekom und Vodafone rangieren, in Deutschland zum Marktführer mit mehr als 40 Millionen Kunden aufsteigen. Hauptantrieb für den Deal sind Einsparungen: Infolge des Zusammengehens sollen die Kosten vor allem aufgrund der Verschmelzung der beiden Handynetze um über fünf Milliarden Euro sinken.