Finanzrücklagen

Commerzbank kämpft verbissen

Institut muss mehr Geld für faule Kredite zurücklegen. Dennoch greift der Umbau des Konzern langsam

Die Commerzbank bewegt sich im Schneckentempo aus der Krise. Nach einem Verlust von 94 Millionen Euro zu Jahresbeginn erwirtschaftete das Institut im zweiten Quartal immerhin einen Minigewinn von 43 Millionen Euro. Das war deutlich mehr, als Experten erwartet hatten. Im Vorjahreszeitraum hatte die Commerzbank unterm Strich allerdings noch 270 Millionen Euro verdient. Verluste durch Altlasten, die niedrigen Zinsen und Kosten für den Konzernumbau belasteten das Ergebnis. Zudem musste das teilverstaatlichte Institut deutlich mehr Geld für faule Kredite zurücklegen. Statt der bisher geschätzten 1,8 Milliarden Euro könnten nun bis zu zwei Milliarden Euro Kredite ausfallen, deutete Finanzvorstand Stephan Engels an.

Einen höheren Verlust als vor einem Jahr verbuchte die Commerzbank in ihrer konzerneigenen Bad Bank, in der sie jene problematischen Geschäfte gebündelt hat, die sie loswerden möchte. Allerdings trennt sie sich dafür schneller von den Altlasten als geplant. in diesem Jahr soll das Portfolio von 150 auf 125 Milliarden euro sinken, 2016 sollen es dann nur noch 90 Milliarden Euro sein. Zudem sei mittlerweile genügend Geld für das Problemportfolio zurückgelegt worden. Das hätten auch die Prüfer bestätigt, sagte Finanzvorstand Engels.

An den vorsichtigen Prognosen für das laufende Jahr hielt die Bank fest. Der Finanzvorstand geht nicht davon aus, dass die Bank nennenswert verdienen wird – zum einen wegen des schwachen Zinsumfelds, zum anderen, weil sich das Institut von Geschäftsteilen trennt, die nicht mehr zu ihrem Kern gehören. Wegen des Umbaus hat die Commerzbank 2013 ohnehin zum Übergangsjahr erklärt. „Wir nehmen in Kauf, dass einzelne Maßnahmen mit einmaligem Restrukturierungsaufwand oder höherer Risikovorsorge verbunden sind“, sagte Vorstandschef Martin Blessing. „Damit schaffen wir die Basis, um die Profitabilität der Bank künftig weiter zu verbessern.“

Die neue Strategie, die vor allem im Privatkundengeschäft ansetzt, soll sich vom kommenden Jahr an auch im Ergebnis widerspiegeln. Die Commerzbank plant neue Filialmodelle und will dabei auch die Kosten senken. Im ersten Quartal hatte die Bank dafür rund 500 Millionen Euro Rückstellungen gebildet. Im ersten Halbjahr konnte das Institut netto 100.000 neue Kunden begrüßen.

Gespart werden soll auch im Vorstand und der darunter liegenden Führungsebene. Die Zahl der Vorstandsmitglieder soll von neun auf sieben sinken. Konkrete Personalentscheidungen hat der Aufsichtsrat allerdings erst einmal verschoben. Dem Vernehmen nach sollen die beiden für die interne Bad Bank zuständigen Manager, Jochen Klösges und Ulrich Sieber gehen. Offenbar wird derzeit über die Höhe der Abfindung verhandelt.

Der Prüfung der Bilanzen, mit der die Europäische Zentralbank (EZB), die von Hebst an als Bankenaufsicht alle Altlasten aufdecken will, sieht Finanzvorstand Engels gelassen entgegen: „Ich glaube nicht, dass wir da in die „Gefährdet“-Kategorie gehören“, sagte er. Die Bank brauche nach zwei Milliarden-Kapitalerhöhungen in absehbarer Zeit kein frisches Geld.

Zuletzt hatte sich die Bank im Mai mit einer Kapitalerhöhung 2,5 Milliarden Euro neu beschafft und sich ein ein weiteres Stück vom Einfluss des Staates freigekauft. Der Bund kontrolliert nun nur noch 17 Prozent der Aktien, zuvor hatte er noch eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie.