Arbeitssuche

Auf der Suche nach dem „German Jobwunder“

Deutschland ist das Land, in dem viele Südeuropäer ihren Lebenstraum verwirklichen wollen

Agnès Padrol Sureda aus Barcelona will zum Fernsehen. Filipe Leão aus Porto hofft auf eine Festanstellung als Koch. Jasmin Ljubenowa aus Bulgarien will Nachhilfelehrerin werden. Alle drei haben einen Lebenstraum. Und alle drei wollen ihn in Deutschland verwirklichen.

Das „German Jobwunder“ hat sich herumgesprochen. Vor allem junge Leute, die in den Krisenländern des Südens keine berufliche Perspektive mehr sehen, zieht es nach Deutschland. Nach einer Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) steigt die Zuwanderung nach Deutschland so stark wie nur in wenigen anderen Ländern. Was jedoch auffällt: Viele gehen schnell wieder zurück. So ist der OECD-Studie zufolge in den vergangenen Jahren nur jeder zweite Grieche und Portugiese länger als ein Jahr geblieben. Bei den Spaniern war es sogar nur jeder dritte.

Mancher Traum scheitert schon an schlechtem Deutsch. „Wir haben eine Umfrage gemacht, und die hat ganz klar ergeben: Zentrales Kriterium für die deutschen Arbeitgeber sind die Sprachkenntnisse“, sagt der OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig. Agnès Padrol Sureda, die in Barcelona visuelle Kommunikation studiert hat, kann das bestätigen. Sie möchte in Köln im Fernseh- und Filmbereich arbeiten. „Ich habe versucht, ein Praktikum zu bekommen, aber das war unmöglich“, erzählt sie. „In den Gesprächen wurde mir immer wieder gesagt, dass mein Deutsch zu schlecht ist.“ Jetzt nimmt sie an der Volkshochschule fünfmal in der Woche Unterricht.

Das geht ganz schön ins Geld. Wer bei null anfange, müsse etwa 3000 Euro investieren, bis er gut genug Deutsch spreche, um eine qualifizierte Arbeit zu bekommen, sagt Maria Germann-Demirci, Beraterin an der VHS Köln. Dennoch verzeichne man geradezu einen Ansturm von jungen Südeuropäern.

Ein anderes Problem besteht darin, dass lange nicht überall in Deutschland Stellen frei sind. „Den Fachkräftemangel gibt es vor allem im klein- und mittelständischen Bereich in ländlichen Gebieten“, erläutert Liebig. Doch es ist nicht das platte Land, es sind die Metropolen, die die jungen Spanier und Italiener anziehen.

„BMW oder Siemens haben keine Probleme, Zuwanderer zu finden“, sagt Liebig. Kleine und mittelständische Unternehmen wüssten dagegen oft nicht, wie sie mit den Migranten in Kontakt kommen sollten. „Die Industrie- und Handelskammern müssten hier mehr Hilfestellung geben.“

Oft sind die Dinge eben nicht so einfach. Beispiel: Eirini Smyrnaiou (40). Sie ist vor einem Monat aus Griechenland nach Berlin gekommen und hatte damit gerechnet, sofort arbeiten zu können. Immerhin hat sie einen Studienabschluss und spricht fließend Englisch. Inzwischen hat sie 81 Bewerbungen verschickt. Der Tenor der Antworten: Sie soll wieder anrufen, wenn sie Deutsch spricht. Doch die Zeit drängt für sie, denn sie ist alleinerziehende Mutter einer kleinen Tochter. Weil ihr das Geld ausging, hat sie Hartz IV beantragt, und nun gibt es auch noch Probleme mit der Ausländerbehörde: Als nicht Erwerbstätige habe sie keinen Anspruch auf Sozialleistungen. „Sie haben mich aufgefordert, wieder zu gehen.“

Deshalb sitzt Eirini Smyrnaiou jetzt im Interkulturellen Frauen- und Familienzentrum „To Spiti“ in Neukölln und sucht Hilfe. Die Beraterin Sofia Margariti macht ihr Hoffnung: Weil sie putzen gehe, sei sie durchaus erwerbstätig. „Das haben wir der Ausländerbehörde mitgeteilt. Es bleibt abzuwarten, was jetzt passiert“, sagt Margariti. Smyrnaiou versteht das alles nicht: „Ich bin gut ausgebildet, ich habe eine Tochter, ich bin aus Europa. Jeder weiß doch: Deutschland braucht solche Einwanderer.“