Unternehmen

Praktiker-Betriebsrat sieht bis zu 100 Märkte in Gefahr

Nach der Insolvenz der Baumarktkette könnten 4000 Stellen gestrichen werden

Nach der Insolvenz der beiden Baumarktketten Praktiker und Max Bahr rechnet der Betriebsrat damit, dass in großem Umfang Stellen gestrichen werden. Bis zu 4.000 Arbeitsplätze könnten verloren gehen, fürchtet Ulrich Kruse, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Max Bahr. „Wenn man ehrlich ist, und nichts schönreden will, muss man von der Größenordnung von 80 bis 100 Märkten reden, die sich im Moment ernsthaft Sorgen machen müssen.“ Die drei vorläufigen Insolvenzverwalter wollen die Spekulationen des Arbeitnehmervertreters nicht kommentieren. „Zu Arbeitsplätzen können wir derzeit gar nichts sagen. Dazu muss der Investorenprozess abgewartet werden“, sagt ein Sprecher von Rechtsanwalt Christopher Seagon, der als Verwalter für die operativen Praktiker- sowie für einen Teil der Max-Bahr-Gesellschaften eingesetzt ist.

Der Geschäftsbericht von Praktiker weist fast 11.000 Vollzeitstellen aus für die 414 deutschen Filialen von Praktiker, Max Bahr und der dritten Konzernmarke Extra Bau+Hobby. Angesichts der im Handel üblichen Teilzeit-Modelle dürfte die wahre Zahl der Mitarbeiter aber weit darüber liegen. Bei der Gewerkschaft Ver.di ist von mindestens 15.000 Stellen die Rede. Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger warnt bereits vor einer Zerschlagung des Konzerns. Sie sieht jetzt Banken, Lieferanten, Vermieter und Warenkreditversicherer in der Pflicht: „Sie alle müssen nun Verantwortung für Arbeitsplätze und Existenzen nehmen.“

Die vorläufigen Insolvenzverwalter haben eine Investmentbank beauftragt, die Suche nach einem Käufer für die beiden Pleite-Ketten zu koordinieren. Interesse sei vorhanden, berichtet Seagon. Branchenexperten allerdings bezweifeln, dass sich die beiden Ketten als Ganzes verkaufen lassen. Zumal das Portfolio nicht homogen ist. Während Konkurrent Hornbach zum Beispiel ausschließlich große Filialen betreibt, denen immer auch ein Gartencenter angeschlossen ist, gibt es bei Praktiker und Max Bahr kaum standardisierte Standorte.

Betrieb läuft weiter

Marktbeobachter schätzen, dass Interessenten allenfalls Teile der beiden Ketten übernehmen wollen, vielleicht sogar nur einzelne Filialen. Thomas Harms sagt Ladenschließungen voraus. „Ich erwarte, dass wir künftig weniger Märkte in Deutschland haben werden“, sagt der Handelsexperte der Beratungsgesellschaft Ernst&Young. Den Mitarbeitern macht Harms Mut. Er geht davon aus, dass die Angestellten jener Filialen von Max Bahr oder Praktiker, die einen neuen Eigentümer finden, ihre Jobs zumindest vorerst behalten können. „Bei allen anderen werden nicht alle Chancen haben, die guten aber auf jeden Fall. Der Handel betont ja immer wieder, dass er qualifizierte Mitarbeiter sucht.“

Die Filialen von Max Bahr bleiben unterdessen geöffnet, wie zuvor schon die von Praktiker. „Der Geschäftsbetrieb läuft weiter“, sagt Jens-Sören Schröder, der als vorläufiger Insolvenzverwalter für den Großteil der Max-Bahr-Niederlassungen zuständig ist. Er will jetzt mit Lieferanten sprechen, um die teils leeren Regale wieder füllen zu können. Zudem will Schröder die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes bei der zuständigen Arbeitsagentur beantragen. Eine Bank übernimmt dann für drei Monate die Gehaltszahlungen der Max-Bahr-Mitarbeiter. Das Geld dafür holt sich der Finanzierer dann von der Bundesagentur für Arbeit zurück. Betriebsratschef Kruse hofft, dass in dieser Zeit eine Lösung gefunden wird. Der Arbeitnehmervertreter, der auch stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat von Praktiker ist, sprach sich dabei für eine schnelle Weiterführung der Max-Bahr-Märkte und „möglichst vieler Praktiker-Märkte“ unter dem Dach von Max Bahr aus.