Geld

Wenn die Karte plötzlich streikt

Manchmal sperren Banken das Plastikgeld, weil sie Manipulation vermuten. Fünf Indizien für Trickserei

Plötzlich ist die Kreditkarte gesperrt. Nichts geht mehr. Besonders ärgerlich ist das im Urlaub, wo der düpierte Einkäufer in der Regel nicht schnell eine Alternative aus dem Portemonnaie ziehen kann, hat er das Kartensortiment doch vor Reisebeginn ausgedünnt – aus Sicherheitsgründen. Es folgen lästige Anrufe bei der Bank im fernen Deutschland, um die Karte wieder entsperren zu lassen und so die eigene Zahlungskraft zurückzugewinnen. Auch wer nicht im Ausland unterwegs ist, erlebt mitunter eine Überraschung beim Einkauf im Internet oder an der Ladenkasse. Der Grund für die Unannehmlichkeiten ist meist der gleiche: Die eigene Bank oder das Kreditkartenunternehmen glauben, dass sich das Plastikgeld oder zumindest die darauf hinterlegten Daten in fremden Händen befinden – selbst wenn es nicht so sein sollte.

Betrug im Netz

Wie sie darauf kommen? Dazu äußern sich Finanzdienstleister nicht gerne, schließlich soll sich kein Betrüger darauf einstellen können. „Die Parameter, nach denen unsere Computer vermeintliche Betrugsfälle herausfiltern, werden ständig angepasst, sobald neue Maschen bekannt werden“, sagt Dirk Böck, Sicherheitsbeauftragter der Düsseldorfer Targobank. Ausgangspunkt sind immer Zahlungen, die irgendwo auf der Welt mit einer Karte getätigt werden – in der realen Welt oder zunehmend bei digitalen Händlern. „70 Prozent des Kartenbetrugs beobachten wir mittlerweile im Internet, dort ist die Hemmschwelle am geringsten“, sagt Böck. Der Rest entfalle auf gestohlene Kreditkarten oder auf Dubletten, also auf Rohlinge mit kopierten Daten, die in fernen Ländern eingesetzt werden.

Kriminelle fischen die auf dem Magnetstreifen hinterlegten Informationen an Geldautomaten, in Läden oder Restaurants von den Originalkarten ab. Dann kopieren sie sie auf Kartenrohlinge, die dann dem Original entsprechen. Innerhalb von Europa fliegen solche Dubletten sofort auf, weil die Informationen auf dem Magnetstreifen nicht reichen, um einzukaufen oder am Automaten Geld zu ziehen. Das geht inzwischen nur noch mit dem goldenen Chip auf der Karte. In außereuropöischen Ländern ist der Magnetstreifen aber immer noch sehr wichtig, weil die modernere Chiptechnik nicht überall verbreitet ist.

Die Berliner Morgenpost nennt fünf verdächtige Bezahlmuster, die leicht für Alarmstimmung bei Banken und Kreditkartenunternehmen sorgen können.

1. Zur falschen Zeit am falschen Ort

Wenn plötzlich eine teure Handtasche für umgerechnet 600 Euro in Brasilien oder eine Spiegelreflexkamera für 1500 Euro in Neuseeland mit der Karte bezahlt werden, kann dies schon für Unruhe bei dem Karteninstitut sorgen. Wenn am gleichen Tag auch noch mit der Karte eine Tankrechnung über 55 Euro in Berlin beglichen werden soll, besteht kein Zweifel mehr: Kriminelle sind mit fremden Daten unterwegs, die Karte wird gesperrt.

2. Passt einfach nicht zum Kunden

Grundsätzlich kennen Kartenunternehmen das Zahlungsverhalten ihrer Kunden anhand der Abrechnungen aus der Vergangenheit genau, jede abweichende Transaktion gilt als Warnzeichen und kann zumindest zu telefonischen Rückfragen beim wahren Karteninhaber führen. Einige Banken empfehlen ihren Kunden deshalb, den eigenen Kundenberater zum Beispiel über eine anstehende Reise zu informieren. Steht ein entsprechender Vermerk im System, erklärt sich eine außerordentliche Abbuchung schnell. Rückfragen können dann entfallen.

3. Händler mit verdächtiger Kennung

Datendiebe nutzen für ihre Einkäufe gerne immer wieder dieselbe Plattform im Internet. Weil jeder größere Händler einen Code für die Zahlungen hat, können die Kartenunternehmen ihn leicht herauszufiltern. Wird ein Betrugsfall bekannt, werden vorsichtshalber andere Transaktionen mit dem entsprechenden Händlercode untersucht. Bei kleineren Firmen, die über keinen eigenen Händlercode verfügen, orientieren sich die Kartenunternehmen an in der Vergangenheit auffällig gewordenen Länder- und Branchencodes und sieben die Transaktionen entsprechend aus.

4. Tests mit kleinen Beträgen

Bevor Betrüger einen gestohlenen Datensatz für größere Einkäufe nutzen, probieren sie die Karten häufig mit kleinen Beträgen aus, meist mit nicht mehr als einem Euro. Sie gehen davon aus, dass solche Abbuchungen nicht auffallen. Wird die gleiche Summe jedoch mehrfach innerhalb kurzer Zeit von verschiedenen Karten abgebucht, werden die Zahlungen gestoppt. Grundsätzlich fordern Banken und Kreditkartenunternehmen ihre Kunden auf, die Abrechnungen genau zu prüfen und fragwürdige Kleinstbeträge zu melden. Das kann schließlich darauf hindeuten, dass die Kartendaten geklaut und für eine Dublette verwendet wurden.

5. Tageslimite werden überschritten

Bestimmte Länder gelten wegen ihrer geringen Sicherheitsstandards als bevorzugte Einsatzgebiete der Kartendubletten. Dazu gehören zum Beispiel auch die Vereinigten Staaten, Mexiko, Kolumbien, Thailand und Brasilien. Entsprechend haben einige Banken maßgeschneiderte Tageslimite für einzelne Problemregionen festgelegt. Werden diese bei einer Karte überschritten, wird der Händler vor Ort gewarnt und aufgefordert, sich vom Kunden einen Ausweis zeigen zu lassen.

Über die Höhe der einzelnen Limits geben die Institute keine Auskunft, Kriminelle sollen sich nicht an einzelnen Beträgen orientieren können. Sollte also jemand in Brasilien etwas Größeres kaufen wollen, kann es sein, dass der Händler den Ausweis sehen möchte.