Militärforschung

Wenn Flugzeugträger tauchen lernen

US-Forschungsbehörde plant U-Boote, die unter Wasser Flugzeuge starten lassen können

Derzeit bauen die USA ihren neuen, 340 Meter langen Flugzeugträger „USS Gerald R. Ford“. Der kostet nach mehreren Preissteigerungen inzwischen mindestens 13,5 Milliarden Dollar (10,2 Milliarden Euro). Das sichert dem US-Rüstungskonzern Northrop Grumman über Jahre Umsatz und Beschäftigung. Nach derzeitiger Planung soll das mit Atomkraft betriebene Schiff 2016 in Dienst gestellt werden. Gut 4500 Personen werden dann an Bord sein. Doch in Zukunft könnte sich das Konzept für Starts und Landungen von Flugzeugen im Meer radikal ändern.

Die Pentagon-Forschungsabteilung Darpa will unter dem Projektnamen Hydra eine revolutionär andere Technologie für Flugzeugträger entwickeln. Sie sollen nicht schwimmen, sondern tauchen, und sie hätten keine Besatzung an Bord. Das hätte den Vorteil, dass sich die U-Boot-Flugzeugträger möglichst unbemerkt an ihr Einsatzgebiet heranschleichen könnten. Sie wären nicht als weithin sichtbares Ziel auf dem Wasser unterwegs und noch dazu sehr schwerfällig zu manövrieren.

Der Darpa-Idee zufolge sollen vom Unterwasser-Flugzeugträger aus sowohl unbemannte Flugzeuge, sogenannte Drohnen, als auch unbemannte Unterwasserfahrzeuge starten. Am 5. August wollen Darpa-EVrantwortliche mehreren Industrievertreter in der Johns Hopkins Universität in Baltimore weitere Einzelheiten geben. Bei der Veranstaltung sind nur US-Staatsbürger zugelassen. Bislang sind allerdings weder der Zeitplan, noch die Kosten oder die voraussichtliche Größe der U-Boot-Flugzeugträger bekannt. Die Darpa-Verantwortlichen sehen in dem neuen Konzept aber eine kostengünstige Lösung für viele Einsätze, nicht nur für bewaffnete Konflikte, sondern auch bei der Abwehr von Schiffspiraterie.

Nach den Vorstellungen der Forschungsbehörde sollte der Unterwasser-Flugzeugträger auf einem Baukastensystem beruhen. Je nach Mission werden mehr Flugzeugmodule oder mehr U-Boot-Module an Bord des Mutter-U-Boots mitgenommen. Die unbemannten Flugzeuge sollen in Kapseln transportiert werden. Beim Einsatz sollen die Kapseln an die Wasseroberfläche gebracht werden. Dort sollen die Flieger dann starten. Keine Angaben liegen bisher darüber vor, wie und wo die Drohnen wieder landen sollen.

Flugzeugträger sind nahezu der letzte militärische Einsatzbereich, für den bislang noch keine unbemannten Systeme bekannt geworden sind. Unbemannte Flugzeuge, Hubschrauber, Transportfahrzeuge, Panzer oder unbemannte Schiffe sind in der Entwicklung oder bereits im Einsatz. Die Pentagon-Forschungsbehörde Darpa ist dabei ein Treiber für möglichst viele unbemannte Anwendungen von Militärfahrzeugen. So wurde im Frühjahr ein Forschungsprogramm vorgestellt, um binnen 40 Monaten kleine Flugzeugdrohnen von Schiffen starten zu können. Um die Forschung bei unbemannten Systemen voranzutreiben, veranstaltet die Darpa auch öffentliche Wettbewerbe, an denen sich Forscherteams oder Bastler mit ihren Konstruktionen beteiligen können.

Abheben vom Luftschiff

Die Pläne der Darpa für das Flugzeugträger-U-Boot wären ein neues Kapitel in der facettenreichen Geschichte der militärischen Luftfahrt. Gegen Ende des zweiten Weltkriegs experimentierte bereits Japan mit zwei U-Booten, die auch Propellermaschinen mitführen konnten. Die USA hatten bereits Luftschiffe als fliegende Flugzeugträger für Propellermaschinen im Einsatz. In den dreißiger Jahren schwebten die beiden 240 Meter langen Luftschiff-Flugzeugträger USS Macon und USS Akron über den Pazifik. Von der fliegenden Plattform konnten je vier bemannte Propellerflieger starten. Nach ihrer Mission wurden die kleinen Propellerflieger von einem Haken am Luftschiff wieder aufgefangen, was großes fliegerisches Können voraussetzte.

Jüngst gelangen den Amerikanern die ersten Landungen mit anschließendem Start von unbemannten Drohnen auf einem Flugzeugträger. Die Kampfdrohne vom Typ X-47B nutze dazu den Flugzeugträger USS George H.W. Bush im Atlantik. Sie wird vom US-Konzern Northrop Grumman gebaut, der auch die Flugzeugträger produziert. Ihren Ursprung hat der unbemannte Flieger in einem Entwicklungsprojekt, das ebenfalls die Pentagon-Forschungsbehörde vorantrieb. Sie vergab im Jahr 2000 Forschungsgeld an Northrop Grumman und Boeing.