Autos

Daimler-Chef gibt Entwarnung

Autobranche in Westeuropa erholt sich wieder: „Die Talsohle ist erreicht“, sagt Dieter Zetsche

Nach drei Krisenjahren in Westeuropa steht die deutsche Automobilindustrie in einer ihrer wichtigsten Absatzregion vor einer Erholung. „Wir erwarten für das zweite Halbjahr von den Märkten Rückenwind. Der wird im Wesentlichen von China und den USA getrieben sein. In Westeuropa sollte die Talsohle erreicht sein“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Mittwoch anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen des Konzerns. „Die Märkte dort dürften nun langsam wieder anziehen. Ähnlich ist die Situation im Lkw-Geschäft.“ Der Verband der Automobilindustrie (VDA) gibt zwar keine grundsätzliche Entwarnung, sieht aber ebenfalls Anzeichen einer Besserung: „Wir rechnen damit, dass sich im zweiten Halbjahr eine Stabilisierung der Situation im westlichen Europa einstellt.“

Die deutschen Automobilhersteller hatten in den vergangenen Jahren zwar Rekordabsätze und -gewinne vermeldet, doch das lag vor allem an den glänzenden Geschäften in Asien, vor allem in China und in Nordamerika. West-Europa schwächelt dagegen als Folge der Euro-Krise. Im vergangenen Jahr hatten auch die deutschen Premiumhersteller erstmals die Folgen der Kaufzurückhaltung zu spüren bekommen. Der VDA geht deshalb davon aus, dass in diesem Jahr im westlichen Europa, einem der drei weltweit größten Automärkte, 11,1 Millionen Autos verkauft werden, das wären rund drei Millionen weniger als in den Jahren 2000 bis 2007. „Nun ist eine gewisse Bodenbildung erreicht“, sagte Zetsche. Wichtige Absatzmärkte, darunter auch Deutschland, zeigten wieder eine positive Tendenz.

Beim Rivalen Audi gibt es eine ähnliche Einschätzung, allerdings ist man bei der VW-Tochter nicht ganz so optimistisch wie in Stuttgart. „Man kann von Bodenbildung sprechen, aber noch nicht von einer grundsätzlichen Trendwende“, heißt es. Allerdings könne festgestellt werden, dass die Rückgänge immer geringer ausfielen.

Skepsis bei BMW

Laut VDA haben sich die Absatzzahlen auch in den südeuropäischen Krisenländern stabilisiert. „Die Euro-Krise ist nicht vorbei, aber wir glauben, dass die größten Verunsicherungen aus dem Markt sind“, erklärte ein VDA-Sprecher. Wie schnell die Erholung gehen könne sei derzeit aber nicht absehbar. „Vermutlich wird es nicht so schnell gehen wie in den USA nach 2009.“ BMW-Chef Norbert Reithofer bleibt hingegen skeptisch: „Die Lage auf dem westeuropäischen Markt ist weiterhin schwierig. Und bis zur Mitte kommenden Jahres wird sich daran wenig ändern. Vielleicht sehen wir im zweiten Halbjahr 2014 dann eine leichte Marktbelebung in Westeuropa“, sagte Reithofer. Zetsche zog für das erste Halbjahr eine positive Bilanz. Unterm Strich hatte der Konzern 5,15 Milliarden Euro verdient, das sind 72 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Haupttreiber für den Gewinnsprung war jedoch eine Neubewertung und der Verkauf der Anteile Daimlers am Europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS im zweiten Quartal. Dieser Verkauf floss mit 3,2 Milliarden Euro in das Ergebnis ein. Im zweiten Quartal konnte der Betriebsgewinn im laufenden Geschäft gegenüber dem ersten Quartal auf 2,1 Milliarden Euro verdoppelt werden. Gegenüber dem Vorjahr sank er jedoch. Mit Rückenwind durch die weltweit boomende Pkw-Nachfrage und neue Modelle werde Daimler in der zweiten Jahreshälfte weiteren Boden gutmachen, versprach Zetsche.