Mietrecht

Nacktsonnen und Grillen auf dem Balkon erlaubt

Mietrecht kennt kaum strikte Vorgaben. Toleranz ist gefragt

Endlich wieder richtig Sommer in Deutschland. Doch wenn das Leben ins Freie verlagert wird, kommt es immer wieder zu erbittertem Streit. Meist über Lärm und Gerüche, wie Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbunds in Berlin, berichtet. Dabei sollte jeder streitbare Nachbar wissen: Im Sommer ist Toleranz gefragt. Auf Balkon, Terrasse und im Garten erlaubt das Mietrecht mehr als so mancher denkt. Selbst Grillen ist grundsätzlich kein Tabu, und das nicht nur auf dem Balkon der Dachwohnung, wie Ropertz betont.

Wer eine Wohnung oder ein Haus mit Balkon hat, darf diesen grundsätzlich so nutzen wie er will. Er gehört zur vermieteten Bleibe dazu. Das gilt auch für Terrasse oder Garten. Das heißt: Der Mieter oder Eigentümer kann dort Stühle, Bänke, Tische oder Sonnenschirme aufstellen. Er darf sein kleines Reich begrünen, Rankgitter montieren, Sichtschutz und Blumenkästen am Geländer anbringen, auch außen, solange sie richtig befestigt sind. Außerdem im grünen Bereich: Am Balkon und im Garten die Wäsche trocknen, Gäste empfangen, mit Freunden zusammen sitzen, Kaffee trinken, reden, lachen – und auch im Freien rauchen. Sogar gegen nackt sonnen und baden ist grundsätzlich nichts einzuwenden.

Die Grenze der freien Verfügung ist immer dann erreicht, wenn Nachbarn massiv gestört oder die Rechte des Hauseigentümers beeinträchtigt werden, betont Ropertz. Wer den Balkon an lauen Sommerabenden als Diskothek nutzt oder die Terrasse in einen Schrottplatz verwandelt, muss sich Beschwerden gefallen lassen. Rücksicht ist wichtig: Schimpft der Nachbar unten über wuchernde Pflanzen, muss der Blumenfreund die Blütenpracht stutzen. Aber: Fallen von oben ein paar Blüten oder Blätter auf den Balkon darunter oder hat der Bewohner mal wieder Gießwasser verschüttet, muss der Nachbar das dulden.

Auf Balkon, Terrasse und im Garten darf nach Herzenslust gegrillt werden – solange es nicht ausdrücklich im Mietvertrag verboten ist. Und solange der Rauch vom Holzkohlegrill nicht in Nachbarwohnungen zieht und stört. Bislang entschieden die Gerichte in der nationalen Streitfrage „Grillen, ja oder nein und wie oft?“ eher großzügig. Zeitliche Vorgaben, dass man beispielsweise nur ein Grillvergnügen pro Monat haben darf, seien reine Einzelfallentscheidungen, betont Ropertz. Alexander Wiech, Sprecher des Eigentümerverbands Haus & Grund, empfiehlt, auf Balkonen von Mehrfamilienhäusern aus Rücksicht nur Elektrogrills zu verwenden.

Hartnäckig halten sich Gerüchte wie: Jeder Bürger habe ein Recht auf Lärm und dürfe einmal im Monat oder dreimal im Jahr so richtig auf die Pauke hauen. „Das gehört ins Reich der Märchen“, winkt Ropertz ab. Ab 22 Uhr muss Schluss sein mit Lärm.