Aufruf

Trotz Weihnachtsgeld-Zusage erneut Streik bei Amazon

Trotz der Zusage von Amazon, in Deutschland erstmals Weihnachtsgeld zu zahlen, haben in Leipzig erneut zahlreiche Mitarbeiter für einen Tarifvertrag gestreikt.

Knapp 500 Mitarbeiter der Früh- und Spätschicht seien dem Streikaufruf am Donnerstag gefolgt, sagte Ver.di-Vertreter Jörg Lauenroth-Mago.

Amazon will den Mitarbeitern aller Logistikzentren in Deutschland künftig mehrere hundert Euro Weihnachtsgeld zahlen. Die Streikenden hätten sich „gefreut, dass es Bewegung gibt, dass jetzt zum ersten Mal konkret an Weihnachtsgeld gedacht wird – obwohl wir im Juli auch Urlaubsgeld gut gefunden hätten“, sagte der Ver.di-Vertreter. „Das ist die richtige Richtung, reicht aber nicht. Wir wollen tarifliche Sicherheit haben“, bekräftigte er. Amazon bewege sich, was die Inhalte angehe – „aber wir sind noch nicht am Ziel“, betonte Lauenroth-Mago. Solange Punkte wie das Weihnachtsgeld nicht tarifvertraglich vereinbart seien, „solange wird es hier auch weiter Unruhe geben“. Amazon habe angekündigt, 400 Euro Weihnachtsgeld für das erste Level zu zahlen, sagte Lauenroth-Mago. Gruppenverantwortliche in den Logistikzentren sollten 600 Euro erhalten.

Eine Amazon-Sprecherin erklärte auf Anfrage, nun würden die Details mit den Betriebsräten der einzelnen Standorte beraten. Diesen Weg bezeichnete der Gewerkschaftsvertreter allerdings als „jenseits der Legalität“, weil Betriebsräte nicht die Aufgabe hätten, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld zu regeln.

Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie höhere Nachtzuschläge gehören zu den Forderungen von Ver.di im Kampf um einen Tarifvertrag bei dem weltweit führenden Online-Versandhändler. Ver.di fordert von Amazon eine Bezahlung, die dem Branchen-Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels entspricht. Das Amazon-Management lehnt eine solche Tarifbindung bisher ab und orientiert sich an der niedrigeren Bezahlung in der Logistikbranche.