Unternehmen

Angriff des unbekannten Riesen

General Electric investiert in Berlin. Der US-Konzern will den Rivalen Siemens auf dessen Heimatmarkt attackieren

Die Bundeskanzlerin steht an diesem sonnigen Montag mit Schaufel vor einem Häuflein Sand direkt hinter einem Autoentsorger und einem Nettomarkt. Neben ihr baut sich General-Electric-Chef Jeffrey „Jeff“ Immelt auf und drückt stolz sein breites Kreuz durch. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hält grinsend eine Schaufel. Gemeinsam werden sie in Marienfelde Sand schaufeln, um den Grundstein für ein Trainingszentrum zu legen. 120 Jobs sollen entstehen. Zehn Millionen Euro investiert werden.

Immelt spart nicht mit Lob für die Kanzlerin. „Deutschland ist ein wichtiger Standort mit seinen Innovationen“, sagt der Chef des Industrieriesen. Und Merkel dankt es ihm. Das General Electric investiere, zeuge vom Vertrauen in den Standort Deutschland. Der Konzern solle hier noch eine lange Zukunft haben. „Nehmen wir das gute Wetter als ein Zeichen für weitere 130 Jahre von GE in Deutschland“, sagt die Kanzlerin.

Zehn Millionen Euro Investitionssumme sind für örtliche Wirtschaftsförderer eine Erfolgsnachricht. Doch normalerweise nimmt die Kanzlerin dafür nicht immer einen Spaten in die Hand. Doch der Auftritt geht über das neue Trainingszentrum hinaus. Der Konzern General Electric möchte zeigen, wie ernst er die Ankündigung nimmt, in Deutschland zu investieren. Er will den Rückstand zum deutschen Erzrivalen Siemens verringern – mit Investitionen in den Vertrieb, die Forschung und eben ein Trainingszentrum in Marienfelde. Zugleich beschwört General Electric seine deutsche Tradition - und die hat viel mit Berlin zu tun.

General Electric begeht seinen 130. Geburtstag in Deutschland. So lange ist es her, dass Emil Rathenau eine Lizenz für Glühlampen von deren Erfinder und General-Electric-Urvater Thomas Edison kaufte. Mit der Lizenz in der Tasche gründete er in Berlin die Deutsche Edison-Gesellschaft für angewandte Elektrizität (DEG), später AEG. Unter eigenem Namen ist General Electric seit 1965 in Deutschland. Berlin ist mit seinen gut 1000 Mitarbeitern größter Standort in Deutschland (insgesamt 7500).

In Marienfelde, wo am Montag gefeiert wird, ist diese Vergangenheit präsent. Das Werk, das heute im Besitz der Amerikaner ist, gehörte einst zur AEG. Wowereit erinnert in seiner Rede daran – und erntet Applaus vor allem älterer Mitarbeiter. Über den französischen Konzern Alstom kam der Betrieb 2011 in den Besitz von General Electric. Dort werden elektronische Komponenten für die Energietechnik gebaut, beispielsweise Wechselrichter.

Vom Land Berlin unterstützt den Bau des Trainingszentrums, das 2015 eröffnen soll, erheblich. Kurz vor Spatenstich wurde ein Zuschuss von 1,31 Millione Euro genehmigt. Es fließen sogenannte GRW-Mittel („Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“). Diese Subventionen dient zur zur „Schaffung und Sicherung von Dauerarbeitsplätzen“, wie es in den Regularien der landeseigenen Förderbank IBB heißt.

„ Die Bedeutung Berlins wird mit dem neuen Trainingscenter als globales Kompetenzzentrum gestärkt und hervorgehoben. Deshalb sind wir als Wirtschaftsförderung gerne aktiv“, begründet Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) die recht üppige Unterstützung. Im Senat spekuliert man auf weitere Investitionen von General Electric in der Hauptstadt.