Job

„Ich bin dann mal weg“

Jeder zweite Arbeitnehmer träumt von einer Auszeit vom Job. Der Wunsch nach einem Sabbatical ist gar nicht so schwer umzusetzen

Endlich mal raus aus dem Alltag, so richtig abschalten. In zwei, drei Wochen Urlaub? Es geht auch anders. Sabbatical heißt das Zauberwort. Drei, sechs oder zwölf Monate Auszeit vom Job. Das tun, was man schon immer tun wollte. Oder was im aktuellen Lebensabschnitt zur Herzensaufgabe wurde. Zum Beispiel für zwei Monate mit dem Rucksack durch Costa Rica und Peru: Für Vivian Conrad, Personalmanagerin beim Berliner Dienstleister Competence & More, ist dieser Traum wahr geworden. „Ich kenne genug Leute, die gern mitgekommen wären, aber nicht die Möglichkeit haben, zwei Monate freizunehmen“, sagt Conrad. Sie konnte. Und wanderte.

Unternehmen müssen sich heute anstrengen, um ihre Leistungsträger nicht an die Konkurrenz zu verlieren. Denn die Situation am Jobmarkt war aus Sicht der Arbeitnehmer selten besser: Fachkräfte sind Mangelware und entsprechend begehrt. Die gefragten Mitarbeiter können ein besseres Gehalt aushandeln – oder mal zurückschalten und mit dem Arbeitgeber eine Auszeit aushandeln.

Viele Firmen reagieren auf diese Entwicklung, indem sie von sich aus Sabbatical-Modelle einführen. So wie Conrads Arbeitgeber: Er ermöglicht Auszeiten von zwei, vier oder sechs Monaten. Der Arbeitsvertrag bleibt dabei bestehen, die Mitarbeiter erhalten auch während der Auszeit ihr Gehalt. Ermöglicht wird das durch eine Ansparphase, die der Auszeit vorangestellt wird: Neun Monate hat Conrad Teile ihres Gehalts auf einem Zeitwertkonto angespart, um die zweimonatige Auszeit zu ermöglichen. Der eingebrachte Betrag wird verzinst und ist gegen Insolvenz abgesichert.

Eine Weltreise machen, ein Buch schreiben oder das Kind beim Schulstart begleiten: Für eine befristete berufliche Pause kann es viele Gründe geben. Einer Forsa-Umfrage zufolge sehnen sich 57 Prozent aller Arbeitnehmer nach einer solchen Auszeit. Gut zwei Drittel von ihnen möchten demnach die Pause nutzen, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Auch unter Führungskräften ist der Wunsch nach einem Timeout verbreitet: Zwei Drittel der Manager träumen laut einer Studie der Personalberatung Heidrick & Struggles davon, für einige Monate die Seele baumeln zu lassen. Doch oft bleibt das Sabbatical ein Traum: Viele schrecken aus Angst vor beruflichen Nachteilen davor zurück.

„Der Arbeitnehmer hat grundsätzlich kein Recht auf ein Sabbatical“, sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Berlin. Erzwingen lässt sich eine Berufspause höchstens durch eine Kündigung – ein sehr radikaler Schritt. Ansonsten hilft nur, das Gespräch mit dem Chef zu suchen, denn der muss einer solchen unbezahlten Auszeit zustimmen.

Damit Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf der sicheren Seite sind, sollte eine schriftliche Sabbatical-Vereinbarung getroffen werden, rät Bernd Weller, der als Fachanwalt bei der Düsseldorfer Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek arbeitet. „Kernelement einer solchen Vereinbarung ist die Regelung der Sabbatical-Dauer sowie der Umstände der Rückkehr.“ In den Konstellationen, in denen der Arbeitgeber während des Sabbaticals weiter Gehalt bekommt, sollte zudem geregelt werden, dass der Mitarbeiter in dieser Zeit nicht zur Arbeit verpflichtet ist, das Arbeitsverhältnis aber ansonsten – etwa für die Berücksichtigung von Betriebszugehörigkeitszeiten – weiterläuft. Außerdem sollte eine Regelung zu den Urlaubsansprüchen des Mitarbeiters gefunden werden, so Weller. „Denn wenn ein Sabbatical über sechs Monate vereinbart ist, wird der Arbeitgeber sich unerfreut zeigen, wenn der Mitarbeiter danach seinen gesamten Jahresurlaub nimmt.“

Es gibt verschiedene Modelle, die die Gestaltung eines Sabbaticals ermöglichen. Besonders beliebt ist die Teilzeitvariante. Dabei wird etwa für drei Jahre Teilzeit vereinbart, der Mitarbeiter arbeitet jedoch Vollzeit weiter und erwirtschaftet sich so Monat für Monat ein Zeitguthaben. Dieses nutzt er am Ende der Teilzeit für sein Sabbatical, während gleichzeitig das reduzierte Gehalt weiterläuft. Anschließend kehrt er auf seine Vollzeitstelle zurück.

Die gleiche Grundidee zur Finanzierung eines Sabbaticals liegt einem befristeten Lohnverzicht zugrunde: Der Mitarbeiter arbeitet voll, bekommt aber nur einen Teil seines Gehalts ausgezahlt. Der Rest fließt auf ein Zeitwertkonto, auf dem sich dann mit der Zeit ein Guthaben ansammelt, das für die Gehaltsfortzahlung während der Auszeit genutzt wird. Dabei wird das Arbeitgeberbrutto eingezahlt, die eingezahlten Beträge sind weder steuer- noch sozialversicherungspflichtig. Auch Überstunden und ungenutzte Urlaubstage können per Zeitwertkonto gesammelt und für das Sabbatical herangezogen werden.

Eine interessante Variante für junge Eltern: Wer den Anspruch auf Elternzeit nicht voll ausschöpft, kann den Restanspruch für ein Sabbatical nutzen. Vorausgesetzt, der Arbeitgeber stimmt zu, können so auch die gesamten zwölf Monate Elternzeit auf einen späteren Zeitpunkt gelegt werden – jedoch höchstens bis zum achten Geburtstag des Kindes.

Der Vorteil all dieser Modelle liegt zum einen darin, dass man trotz Berufspause auf ein stabiles Einkommen zählen kann. Außerdem geht auch die soziale Absicherung nicht verloren: Die Beiträge zur gesetzlichen Renten-, Pflege- und Krankenversicherung laufen weiter. Natürlich lässt sich ein Sabbatical auch mit unbezahltem Urlaub realisieren. In dem Fall sind Arbeitnehmer aber deutlich schlechtergestellt: Sie müssen Nachteile bei der Rentenversorgung in Kauf nehmen. Denn schließlich wirkt sich jeder Monat, in dem keine Beiträge eingezahlt werden, auf die Höhe der Altersrente aus.