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„Ein Gewinn auch für das Unternehmen“

Die größte Hürde für eine längere Auszeit ist nicht der Chef – sie stecke im eigenen Kopf, sagt Andrea Oder, die seit zwei Jahren in Berlin als Sabbatical-Coach praktiziert.

Berliner Morgenpost:

Wer nutzt die Chance auf den befristeten Ausstieg?

Andrea Oder:

Es gibt keinen Standardfall. Die meisten, die sich eine Auszeit gönnen, sind mitten im Berufsleben, sie haben bereits viel gearbeitet und möchten nun einfach mal raus. Auch wenn viele Angst vor der eigenen Courage haben: Wenn es, wie von mir erlebt, ein Ehepaar, beide voll berufstätig, schafft, sechs Monate freizunehmen, um mit zwei Kindern durch Asien zu reisen, dann findet sich auch für jeden anderen eine Lösung.

Woran muss man beim Abschied auf Zeit denken?

Die Firmen haben häufig noch keine Erfahrung mit dem Thema, deshalb ist es wichtig, einen Vertrag aufzusetzen, in dem die Bedingungen für beide Seiten verbindlich geregelt werden. In den Vertrag gehört zum Beispiel, ob und wie eine Vergütung bezahlt wird oder ob es sich um eine unbezahlte Freistellung handelt.

Wie sieht es mit Kranken- und Rentenversicherung aus?

Bei einer Teilzeitlösung endet die Beschäftigung nicht, und die Sozialversicherungszahlung wird nicht unterbrochen. Aber handelt es sich um einen unbezahlten Urlaub, dann gehören in den Vertrag auch Regelungen zur Sozialversicherung, zur Betriebsrente oder andere freiwillige Leistungen des Unternehmens.

Wie lange dauert ein Sabbatical?

Man denkt schnell an ein Jahr, und das gibt es auch, aber die meisten Sabbaticals dauern nach meiner Erfahrung drei oder sechs Monate.