Zahlungsausfall

Verkauf von Grand Hotel Heiligendamm unsicher

Berliner Investor hat vereinbarte Anzahlung für Luxus-Herberge nicht geleistet. Käufer und Insolvenzverwalter uneinig über Vertrag

Zu Beginn der Hauptsaison sollte das Urlaubsgeschäft im Grand Hotel Heiligendamm unter neuem Eigner weitergeführt werden. Doch der Betreiberwechsel im insolventen Grand Hotel im Ostseebad Heiligendamm verzögert sich. Kurz vor einer Mitarbeiterversammlung teilte Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum am Montag überraschend mit, dass die geplante Betriebsübergabe an eine Berliner Investorengruppe zunächst nicht zustande kommt, „da der dafür vorgesehene Teilkaufpreis noch nicht bezahlt ist“.

„Ich bin über den Verlauf des Vorgangs nicht glücklich“, sagte Zumbaum der Nachrichtenagentur dpa. Über die Fälligkeit der Anzahlung bestehe Uneinigkeit zwischen den Beteiligten, sie sei aber Voraussetzung für den Betriebsübergang.

Der Sprecher der betroffenen Berliner Palladio AG, Frank Schmeichel, bestätigte: „Die Fälligkeit der Zahlung wird als streitig angesehen. Ansonsten ist das Sache der Parteien und es wird nicht öffentlich ausgetragen.“

Ministerium zurückhaltend

Insolvenzverwalter Zumbaum zeigte sich allerdings zuversichtlich, dass das Geschäft trotz des Streits zustande kommt. Er informierte am Montag 120 Mitarbeiter des prestigeträchtigen Grand Hotels über die Situation.

Die Beschäftigten wirkten gefasst, als sie die Versammlung später verließen. Solang der Verkauf noch nicht endgültig perfekt ist, führt der Insolvenzverwalter den Betrieb des Fünf-Sterne-Plus-Hotels fort.

Das Schweriner Wirtschaftsministerium äußerte sich unterdessen zurückhaltend zu den Vorgängen. „Der Insolvenzverwalter hat das Ruder in der Hand. Wir vertreten unsere Belange im Gläubigerausschuss. Das Wirtschaftsministerium hat ein Interesse daran, dass der Käufer den Standort als Hotelareal fortsetzt und weiterentwickelt“, sagte Ministeriumssprecher Gunnar Bauer am Montag auf Anfrage.

Formalitäten spielen offenbar ebenfalls eine Rolle bei der Verzögerung. „Verträge zu Immobilien sind auch immer von Genehmigungen und Zustimmungen abhängig. Darüber gibt es einen gewissen Streit, ob die alle beigebracht sind“, erklärte der Insolvenzverwalter. Es sei aber davon auszugehen, dass die Unterlagen zeitnah vorliegen werden oder bereits da sind.

Die Nachricht über den vorerst gescheiterten Betriebsübergang hat laut einem Bericht des NDR erneut das Interesse von unterlegenen Bietern für das Grand Hotel geweckt. Sie sollen sich bereits am Vormittag erneut beim Insolvenzverwalter gemeldet haben. Neue Investoren würden derzeit aber nicht gesucht. Dies könnte erst nach einem Scheitern des aktuellen Vertrags geschehen, hieß es.

Haus angeblich gut gebucht

Anfang Mai hatte Zumbaum die Berliner Beratungs- und Immobilienfirma Palladio AG und die Investitionsgesellschaft De & De Holding GmbH als Käufer präsentiert. Deren gemeinsame Firma Resort Heiligendamm GmbH & Co KG sollte die Geschäfte führen.

Die Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. KG von Investor Anno August Jagdfeld hatte vor gut einem Jahr wegen unzureichender Auslastung Insolvenz anmelden müssen. Seit dem 1. Mai 2012 steht das Hotel unter der Verwaltung Zumbaums und ist den Angaben zufolge derzeit gut gebucht.

Heiligendamm ist das älteste Ostsee-Heilbad Deutschlands. Das Grand Hotel mit seinem Gebäudeensemble wurde als Konferenzort des G8-Gipfels im Jahr 2007 weithin bekannt.