Studie

Freundliche Chefs haben auch zufriedene Mitarbeiter

Stress, Burnout, ein großer Niedriglohnsektor und Millionen Menschen, die von „Dumpinglöhnen“ leben müssen – „gute Arbeit“ in Deutschland ist rar, klagen Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbände.

Dem widerspricht nun das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW): Der deutsche Arbeitsmarkt sei besser als sein Ruf. Neun von zehn Arbeitnehmern seien mit ihrem Job vollauf zufrieden.

Nur Dänemark, Norwegen, Österreich und Großbritannien erreichen noch bessere Quoten, in 21 anderen europäischen Ländern sind sie dagegen schlechter. Das IW beruft sich auf Erhebungen der EU-Stiftung Eurofound und Befragungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Die Befragungen belegten auch, dass die Arbeitszufriedenheit in Deutschland über die Jahre nahezu konstant geblieben sei, betonte IW-Direktor Michael Hüther. „Von einem Verfall der Arbeitsbedingungen kann keine Rede sein“, sagte er. Arbeitsplatzsicherheit, höheres Gehalt, wenig Stress oder nette Kollegen seien für viele Befragte weniger wichtig, als es in der öffentlichen Diskussion häufig den Anschein habe. So liegt der Anteil der Zufriedenen selbst unter denjenigen, die sich nicht angemessen entlohnt fühlen, mit 82 Prozent sehr hoch.

Auch bei Arbeitnehmern, die unter Stress leiden, sind 85 Prozent zufrieden. „Was dann manche externen Beobachter als prekär einstufen, ist für die Betroffenen gleichwohl eine gute Arbeit, wie die Daten zeigen“, erklärte Hüther. Für die Arbeitszufriedenheit spiele vielmehr der Chef eine wichtige Rolle. Wenn Führungskräfte ihre Mitarbeiter auch nur gelegentlich unterstützen, steigt der Anteil Zufriedener auf über 93 Prozent. Diese Unterstützung erfahren in Deutschland aber nur 69 Prozent – gegenüber 81 Prozent im EU-Durchschnitt.