E-Commerce

Nutzer protestieren gegen Google

Internetkonzern stellt seinen Reader ein – und erntet damit Unmut

Der Internet-Gigant Google schließt seinen RSS-Nachrichtenaggregator Reader – und die Nutzer laufen Sturm dagegen. Seitdem Google im März das Ende des beliebten Dienstes verkündete, unterschrieben mehr als 153.000 Reader-Fans diverse Petitionen zum Erhalt. Sie protestieren in Foren und sozialen Netzwerken, flehten bei den Machern um eine Revision der Entscheidung – vergebens. Google schließt den Dienst vom 1. Juli 2013 an.

Die Nutzerzahl sei eingebrochen, die Programmierer im Reader-Team würden für andere Aufgaben benötigt – eine Begründung, die angesichts von dutzenden deutlich weniger populären Google-Services an den Haaren herbeigezogen erscheint. Die Entscheidung erscheint jedoch sinnvoll im Licht der neuen Produktpolitik des Konzerns. Diese lautet: Weg von offenen Standards wie RSS, hin zu einer mehr Google-zentrischen Welt, in der eigene Angebote und Dienste immer bevorzugt werden. Larry Page, Gründer und Chef von Google, hatte zur Eröffnung der Entwicklerkonferenz IO 2013 Mitte Mai noch die Konkurrenz zu mehr Kooperation aufgefordert: „Ich wünsche mir mehr offene Standards, die einfach funktionieren und mehr Unternehmen, die das unterstützen.“ Doch Google selbst handelt zuwider.

RSS ist ein einfacher Standard, mit dem Nutzer Nachrichten und Blogeinträge aus unterschiedlichen Quellen abonnieren können. Googles Reader hatte sich ob seiner simplen Bedienung und seiner Fähigkeit zum Durchsuchen der RSS-Beiträge als Standard etabliert. Nun müssen Nutzer eine Alternative suchen.

Mit all diesen Entscheidungen verfolgt Google anscheinend ein Ziel: Nutzer sollen zu Google-eigene Standards gedrängt werden. Anstatt also Nachrichten via Reader zu lesen, sollen Nutzer diese in Googles sozialen Netzwerk Google+ teilen, anstatt mit offenen Chat-Programmen sollen sie via Hangouts chatten.

Doch die Strategie birgt für Google Risiken. Der Reader war insbesondere für Intensiv-Nutzer der wichtigste Grund, sich dauerhaft bei Google einzuloggen. Ihre Entdeckungen im Netz konnten sie von dort direkt im sozialen Netzwerk Google+ empfehlen. Mit dem Ende des Readers entfällt diese Motivation. Anstatt mehr Nutzer dauerhaft an Google+ zu binden, könnte Google wichtige Meinungsmacher im Netz vergrault haben. Und das ist eigentlich das Letzte, was Google anstrebt.