Gründerzeit

Die Spur des Geldes in der Hauptstadt

Jürgen Stüber über die zahlreichen Berliner Millioneninvestments im ersten Halbjahr 2013

Wenn es so weiter geht wie bisher, wird 2013 ein gutes Jahr für die Berliner Start-up-Szene. Einige Exits und zahlreiche Investments über ein- und zweistellige Millionenbeträge sprechen für das Potenzial der Branche und nähren die Hoffnung auf ein zweites gutes Halbjahr.

Es gab zwei beachtenswerte Exits: Im April war der Musikstreamingdienst Aupeo von Panasonic übernommen worden. Ende Juni schnappte dich die Deutsche Post den Marketing-Dienstleister Optivo für eine nicht genannte Summe.

Auch die Investments sprechen für die Substanz des Ecosystems: 29 Millionen Euro für NumberFour, das eine Universal-Software für Kleinunternehmen entwickelt. Das Forschernetzwerk ResearchGate sicherte sich umgerechnet 28 Millionen Euro bei Microsoft-Gründer Bill Gates. Der Spielevermarkter AppLift hat im Mai zehn Millionen Euro erhalten, der Online-Optiker Mister Spex 16 Millionen von einer schottischen Investmentbank, Umgerechnet 11 Millionen Euro gab es im Januar für den Tourvermittler GetYourGuide, je zehn Millionen Euro flossen in die Fußball-App iLiga im April und in die Sprachlernplattform Babbel im März. Achtstellig schlossen auch die beiden Online-Bezahldienste Sumup und Payleven ab.

Die Liste der einstelligen Millioneninvestments ist noch viel länger. Erinnert sei nur an die Reservierungsplattform Quandoo, an das Mobility-Projekt Ubitricity, die Produktvergleichsplattform VersusIO, den Online-Auktionator Auctionata, den Mikrofinanzdienst Mambu oder die Reiseplattform GoEuro, die von Hasso-Plattner-Ventures vier Millionen Euro erhalten hat und die Monitoring-PlattformUbermetrics.

Was fällt an aktuellen Investitionsgeschehen auf? Erstens spielt unter Investitionsgesichtspunkten E-Commerce in Berlin außerhalb der beiden Paralleluniversen von Rocket Internet (Zalando) und Team Europe (Lieferheld) praktisch eine nachrangige Rolle. Neben diesen beiden großen Inkubatoren treten nur Mister Spex und einigen Re-Commerce-Firmen nennenswert in Erscheinung. Bei Rocket Internet flossen im ersten Halbjahr grob gerechnet 440 Millionen Euro vor allem in die internationalen Klone des Modeshops Zalando. Das letzte große Investment von Team Europe gab es im vergangenen Jahr, als der Lieferdienst Delivery Hero mit 40 Millionen Euro ausgestattet wurde.

Zweitens flossen nahezu alle sieben- und achtstelligen Investments auf die Konten von Start-ups mit Business-to-Business-Anwendungen, die schon über eine relative lange Markterfahrung verfügen. Das heißt: Wer sich in Berlin auf Produkte und Dienstleistungen für Unternehmen konzentriert, hat derzeit noch die besten Karten.

Und drittens bewegen sich große Teile des Berliner Internet-Unternehmertums noch unterhalb des Radars von Investoren, die Millionenbeträge bereitstellen könnten. Vor allem die erst ein, zwei oder drei Jahre alten Plattformen mit verbraucherorientierten (B2C) Apps, die so sehr das Bild von Berlin als Start-up-Hub prägen, sind für Großinvestoren noch uninteressant.

Doch das ist nichts außergewöhnliches. „Die Szene wird immer erfolgreicher. Es ist jedoch immer noch eine superlange Reise mit Höhen und Tiefen. Es ist der Anfang von etwas – nicht mehr und nicht weniger“, schreibt Earlybird-Partner Ciaran O’Leary in seinem Blog und zitiert als Gewährsmann den Benchmark-Investor Matt Cohler, der Berlin Chancen einräumt, ein neues Epizentrum für Gründertum zu werden. Die Voraussetzungen dafür seien vorhanden.