Telekommunikation

Ein Kabel für alles

Die Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zur geplanten Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone

Warum Vodafone nicht schon vor drei Jahren Kabel Deutschland gekauft habe, wurde Vittorio Colao am Montag gefragt. Damals zum Börsengang hätte der Kabelnetzbetreiber nur zwei Milliarden Euro gekostet statt 7,7 Milliarden. „Damals hatten wir andere Prioritäten“, antwortete der Vodafone-Chef lapidar. Die Telekommunikations- und die Kabelbranche sind schneller zusammengewachsen, als es sich der Mobilfunkanbieter damals wohl vorgestellt hätte.

Heute ist es vielen Kunden egal, ob Telefon, Internet und Fernsehen aus der Telefonleitung kommen oder aus dem Kabelanschluss daneben. In vielen Wohnungen haben sie die freie Auswahl. Kabel Deutschland könne bald zwölf von 40 Millionen deutschen Haushalten mit allen drei Diensten versorgen, sagte Vorstandschef Adrian von Hammerstein.

Der rasante Vormarsch der Kabelanbieter, die ihre Netze für viel Geld aufgerüstet und sich 15 Prozent des Breitbandmarktes gesichert haben, bringt die Telekommunikationskonzerne im Kampf um Festnetzkunden zunehmend unter Druck. Sie müssen viel Geld in die Hand nehmen, um ihre Infrastruktur auf Geschwindigkeiten zu bringen, die auch nur annähernd mit den Kabelnetzen mithalten können.

Selbst Kooperationen zwischen Telekom-Unternehmen sind mittlerweile nicht mehr tabu. Vodafone und O2 schlossen vor kurzem mit der Deutschen Telekom eine Vereinbarung über die Nutzung des noch schnelleren VDSL-Netzes. Doch der Zusammenschluss eines Kabelnetzbetreibers und eines Telekommunikationsunternehmens würde den Wettbewerb in eine neue Dimension heben.

Was genau hat Vodafone vor?

Vodafone will Kabel Deutschland komplett übernehmen. Der britische Telekommunikationskonzern bietet dazu 87 Euro je Kabel-Deutschland-Aktie. Damit bewerten die Briten den deutschen Kabelanbieter mit insgesamt 10,7 Milliarden Euro. Die Übernahme soll noch in diesem Jahr über die Bühne gehen.

Warum ist Vodafone an Kabel Deutschland interessiert?

Kabel Deutschland hat eine gut ausgebaute Infrastruktur: Das Unternehmen ist in 13 der 16 Bundesländer aktiv und hat 8,5 Millionen Kunden. Die Kabel reichen bis in die Wohnungen der Kunden und sind nicht nur für Fernsehen, sondern auch für Internetanschlüsse gut geeignet. Kabel Deutschland bietet schon jetzt Telefon- und Internetanschlüsse. 75 Prozent aller Neukunden hierzulande entscheiden sich bei schnellen Internetanschlüssen mittlerweile für Kabelnetz-Betreiber.

Was ist der Unterschied zwischen DSL- und Kabelanschlüssen?

Technisch ist das natürlich etwas anderes, für den Kunden ist es aber letztlich kein großer Unterschied. Über das Telefon- wie über das Fernsehkabel können Internetdaten übertragen werden. Fernsehkabel sind sogar besonders schnell. Anrufe laufen bei Kabelanschlüssen über Internettelefonie – das ist aber selbst bei Telekom-Anschlüssen mittlerweile teilweise so. Kunden haben weiterhin eine klassische Telefonnummer und ihr normales Telefon.

Was haben die beiden Unternehmen gemeinsam vor?

Die Grundzüge haben Vodafone und Kabel Deutschland bereits in einer „Grundsatzvereinbarung“ geregelt. Kabel Deutschland soll demnach als eigenständiges Unternehmen mit Zentrale in Unterföhring bei München erhalten bleiben. Die Geschäftsfelder sollen aufgeteilt werden: Kabel Deutschland verantwortet das gesamte Festnetz-Geschäft beider Unternehmen; Vodafone soll das Mobilfunk-Geschäft verantworten.

Was bedeutet das für die Kunden von Kabel Deutschland und Vodafone?

Vodafone hat zwar selbst ein Festnetz, das meist entlang der großen Bahnstrecken in Deutschland verläuft. Die letzten Meter der Leitungen bis in die Wohnung der Kunden muss das Unternehmen in den meisten Fällen aber bei der Deutschen Telekom mieten. Wo es geht, sollen die Kunden nun künftig per Fernsehkabel angeschlossen werden. Leitungen von der Telekom wollen die Unternehmen nur noch dort mieten, wo Kabel Deutschland keine Leitungen bis die Wohnung verlegt hat.

Sind auch Bestandskunden von den Änderungen betroffen?

Die Umstellung von der Telefon- auf die Kabeldose wird zunächst vermutlich vor allem Neukunden betreffen. Aber auch alte Kunden sollen voraussichtlich umgestellt werden: „Die Idee ist, unsere Netzinfrastruktur bestmöglich zu nutzen. Dann dürften auch Kunden migriert werden“, sagt eine Kabel-Deutschland-Sprecherin. Denkbar ist ebenso, dass Nutzer des Kabel-Deutschland-Internetangebotes, das bislang im Netz von O2 (Telefónica) betrieben wird, dann auf Vodafone umgestellt werden.

Könnte Vodafone mit seinem Angebot noch Konkurrenz bekommen?

Interesse an Kabel Deutschland hatte auch die US-Medien- und Telekommunikationsgruppe Liberty Global angemeldet. Das Unternehmen bietet in Hessen und Nordrhein-Westfalen unter dem Namen Unitymedia Internet-, Telefon- und Fernsehanschlüsse an. Es ist damit neben Kabel Deutschland und Kabel BW einer der drei großen Kabelnetz-Betreiber hierzulande. Liberty Global legte für Kabel Deutschland einen „vorläufigen Vorschlag“ für eine Übernahme vor – jedoch kein formelles Angebot. Durch die Übereinkunft zwischen Vodafone und Kabel Deutschland dürften für Liberty Global nur noch geringe Aussichten auf Erfolg bestehen.