Altersvorsorge

Erste Lebensversicherungen werden abgespeckt

Die Tage der Lebensversicherung in ihrer alten Form sind gezählt.

Seit Jahrzehnten ist sie das Lieblingsprodukt der deutschen Sparer für die Altersvorsorge, weil sie feste Zinsen für Jahrzehnte garantiert. Für die Versicherungen liegt genau darin das Problem: Denn in Zeiten der Mini-Zinsen an den Kapitalmärkten können sie die früheren Zinsversprechen nur noch mit großen Mühen erfüllen. Jetzt holen die ersten Versicherungen zum Befreiungsschlag aus und specken die Lebensversicherung ab.

Seit Monaten tüfteln sie an Modellen, mit denen sie sich von den Zinsversprechen auf Jahrzehnte befreien können. Als erster Versicherer bringt die Ergo nächste Woche eine Lebensversicherung ohne Garantiezins auf den Markt, kurz darauf will Marktführer Allianz seine Pläne für die Lebensversicherung 2.0 bekannt geben. Die kleinen Versicherungen warten ab, was die Allianz vorhat – um dann wohl später nachzuziehen.

Für die Branche bleibt die Lebensversicherung ein Verkaufsschlager: Mit rund 90 Millionen Verträgen gibt es mehr Lebensversicherungen in Deutschland als Einwohner. Aus alten Zeiten haben viele Sparer noch Verträge mit einem Garantiezins von vier Prozent in der Schublade, die ihnen die Versicherer nun liefern müssen. Genau wie die Kleinsparer tun sich auch die Versicherungen derzeit schwer, sichere Geldanlagen mit ordentlichen Renditen zu finden. „Anlage-Notstand“ heißt das in der Branche.

Inzwischen liegt der Garantiezins zwar nur noch bei 1,75 Prozent und bringt die Versicherer damit nicht mehr so stark unter Druck. Für die Sparer ist die Lebensversicherung bislang aber noch attraktiv, da sie zusätzlich zu dem Zins auch eine Überschussbeteiligung erhalten. Im Schnitt liegt die Gesamtverzinsung nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft bei mehr als 4 Prozent und damit bei vergleichbarer Sicherheit über der anderer Produkte. Die Allianz hat aber schon durchblicken lassen, dass sie in den neuen Lebensversicherungen den Zins nur in den ersten Jahren garantiert und danach je nach Marktlage neu berechnet. Verbraucherschützer sehen dies kritisch, weil die Gesamtleistung einer Lebensversicherung für die Kunden damit unberechenbar werden könnte.