Kriminalität

Razzia in Berlin gegen Schwarzarbeit in Schlachthöfen

In deutschen Schlachthöfen sollen erneut Leiharbeiter-Kolonnen systematisch schwarz beschäftigt worden sein.

Es werde gegen 22 Beschuldigte und ein Firmengeflecht von rund zwei Dutzend Unternehmen ermittelt, bestätigte die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf. Bereits Mitte Mai hätten 450 Polizisten, Zollbeamte, Steuerfahnder und Staatsanwälte bundesweit an 90 Orten Büros und Wohnungen durchsucht – unter anderem auch in Berlin. Durchsuchungen gab es zudem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Bremen, Hessen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Die genauen Orte wurden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht genannt.

Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass mit dem Einsatz der Leiharbeiter aus Rumänien und Polen von den Leiharbeitsfirmen Steuern und Sozialabgaben in Millionenhöhe hinterzogen wurden. Mit einer ähnlichen Durchsuchungsaktion hatten die Ermittler vor sieben Jahren die Branche aufgeschreckt. Ein deutscher Arbeiter-Verleiher wurde in der Folge im Jahr 2010 vom Düsseldorfer Landgericht zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Ermittler mussten für die Massen an sichergestellten Unterlagen eine Turnhalle anmieten.

Die Strippen für den Einsatz der Arbeiterkolonnen sind offenbar erneut am Niederrhein gezogen worden. Kamp-Lintfort und Moers waren Orte der Durchsuchungen. Mehr als ein Dutzend Schlachthöfe soll von Hintermännern der Szene mit billigen Arbeitskräften versorgt worden sein. Die betroffenen Firmen betreiten die Vorwürfe.

Leiharbeiter-Kolonnen haben die Stammbelegschaften der Schlachthöfe vielerorts dezimiert. Preisdumping in der Fleischindustrie sorgt inzwischen auch international für Ärger. Die belgische Regierung habe sich bei der EU-Kommission über Wettbewerbsverzerrung in Deutschland beschwert. Die deutsche Billigkonkurrenz soll inzwischen auch den belgischen Fleischverarbeitern zu schaffen machen und einen „Schlacht-Tourismus“ befördern.