Justiz

Späte Anklage gegen Ex-Karstadt-Chef

Vorwurf der Untreue: Thomas Middelhoff soll teure, private Charterflüge dienstlich abgerechnet haben

Der frühere Spitzenmanager Thomas Middelhoff steht erneut im Fokus der Justiz: Die Staatsanwaltschaft in Bochum hat gegen den ehemaligen Chef des einstigen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor eine Anklage wegen Untreue eingereicht. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung. Middelhoff werde Untreue in mehreren Fällen vorgeworfen, weil er das eigene Unternehmen mit betriebsfremden Kosten belastet habe. So habe er der Behörde zufolge private Charterflüge über das Unternehmen abgerechnet, erklärte das Gericht. Insgesamt gehe es um einen Betrag zumindest „im hohen sechsstelligen Bereich“.

Middelhoffs Anwälte zeigten sich „überrascht, weil sowohl in einem umfangreichen Schriftsatz als auch in einer persönlichen Vernehmung von Middelhoff die dienstliche Veranlassung jedes einzelnen Fluges erläutert und mit Beweisangeboten unterlegt wurde.“

Ein Sprecher des Landgerichts Essen bestätigte den Eingang der Klage und sagte, Middelhoffs Verteidiger könnten jetzt innerhalb von sechs Wochen zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Erst danach entscheide das Gericht über die Zulassung der Anklage. Wann das sein werde, sei noch nicht abzusehen.

Die Staatsanwaltschaft in Bochum hatte nach der Pleite des Handelskonzerns Arcandor Ermittlungen aufgenommen und dabei unter anderem auch Wohn- und Geschäftsräume Middelhoffs durchsuchen lassen. Middelhoffs Anwalt Sven Thomas hatte dies als „Aktion für die Galerie“ bezeichnet. Middelhoff habe der Staatsanwaltschaft angeboten, alle Unterlagen zur Verfügung zu stellen.

Der frühere Bertelsmann-Manager Middelhoff hatte 2004 beim Arcandor-Vorläufer KarstadtQuelle den Aufsichtsratsvorsitz übernommen, 2005 wechselt er dann auf den Chefsessel. Arcandor schlitterte im Juni 2009 in die Pleite, der Warenhausriese Karstadt ging später an den Milliardär Nicolas Berggruen. In Folge der Pleite gibt es zahlreiche juristische Auseinandersetzungen.

In zwei anderen Verfahren setzt sich Middelhoff derzeit gerichtlich mit dem Arcandor-Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch auseinander. Der verlangt vor dem Essener Landgericht von dem ehemaligen Arcandor-Konzernchef Schadenersatz für aus seiner Sicht unzulässig abgerechnete Flugkosten. Außerdem will er von Middelhoff und anderen Ex-Managern Schadenersatz, weil ihnen Bonuszahlungen und Abfindungen zu Unrecht gezahlt worden seien.

Das Oberlandesgericht Hamm behandelt in zweiter Instanz weitere Schadenersatz-Forderungen des Insolvenzverwalters in Zusammenhang mit Immobiliengeschäften. Dabei geht es darum, dass eine Immobilie, in denen eines der Kaufhäuser angesiedelt war, an einen Immobilienfonds verkauft worden war. Anschließend hatte Arcandor Miete an diesen Immobilienfonds zu zahlen – eine viel zu hohe Miete aus Sicht des Insolvenzverwalters. In einem Grundurteil hat das Landgericht Essen bereits geurteilt, dass Middelhoff bei Amtsantritt als Arcandor-Chef seinen Vorgänger Wolfgang Urban deswegen hätte verklagen müssen. Durch Unterlassen sei dem Konzern ein Schaden entstanden. Das Oberlandesgericht Hamm überprüft derzeit dieses Grundurteil. Dann muss auch über die Höhe des Schadens befunden werden.