Banken

Schwere Vertrauenskrise lähmt den Finanzmarkt in China

Knapp fünf Jahre ist es her, seit in den USA die Finanzkrise begann und mit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers ihren Höhepunkt fand.

Nun droht in China das gleiche. Am Interbankenmarkt, an dem sich Banken untereinander Geld leihen, explodierten in den vergangenen Tagen die Zinsen – keiner will dem anderen mehr Geld leihen. Gerüchte über eine drohende Pleite von Chinas größter Bank, der Bank of China, erhitzten die Gemüter weiter.

Schließlich ließ sich die Notenbank heute offenbar erweichen und pumpte Geld in den Markt, auch wenn es dafür keine Bestätigung gab. Jedenfalls fielen die Zinssätze wieder. Doch ausgestanden ist die Krise damit keineswegs. Denn dahinter stecken grundsätzliche Probleme. In der Wirtschaft hat sich eine gigantische Kreditblase aufgebaut. Shuang Ding, China-Experte der Citigroup, schätzt, dass die Verschuldung der nicht-finanziellen Unternehmen 2012 einen Wert von 151 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichte. Keine andere der großen Volkswirtschaften kommt auf einen solch hohen Wert.

Hinzu kommt, dass inzwischen viele Banken, vor allem kleinere regionale Institute, ihr Geld dafür verwenden, an den internationalen Finanzmärkten zu spekulieren, anstatt es in die Realwirtschaft weiterzuleiten. Dem will die Notenbank seit einigen Monaten entgegenwirken, indem sie ihren Geldhahn geschlossen hält und die Banken zwingt, ihre Bücher zu bereinigen. Diese kommen dadurch aber vor allem jetzt, kurz vor Quartalsende, in Probleme. Denn sie müssen ihre Bilanzen pünktlich ausgleichen.

Einige internationale Großunternehmen berichten bereits, dass eine Großbank daher sogar den Abzug größerer Summen verweigert. So entstanden die Gerüchte um eine angeblich bevorstehende Zahlungsunfähigkeit der Bank of China.