Gewerkschaften

Streiks bei Air Berlin werden zwölf Stunden vorher angekündigt

Wohl von Donnerstag an müssen Fluggäste in Berlin mit Chaos an der Abfertigung in Tegel und vielen weiteren deutschen Flughäfen rechnen.

Zwar rückt die Pilotengewerkschaft Cockpit noch immer nicht mit Details zum geplanten Warnstreik bei Air Berlin heraus. Andeutungen eines Sprechers lassen aber darauf schließen, dass man erst nach der Abreise von US-Präsident Barack Obama aus Berlin mit Warnstreiks beginnen werde. Obama verlässt Berlin am Mittwochabend und von Donnerstagmorgen an könnte es mit dem Arbeitskampf bei Deutschlands zweitgrößter Airline losgehen. In jedem Fall will Cockpit mit 12 Stunden Vorlauf über Ausstände der Piloten informieren.

Dass es zu Warnstreiks kommen wird, betonte der Cockpit-Sprecher am Dienstag noch einmal: „Darüber herrscht grundsätzlich Einigkeit.“ Die Pilotengewerkschaft beriet am Mittwoch noch einmal über die geplanten Arbeitskämpfe – ohne nähere Angaben zu machen. Die rund 1400 Piloten von Air Berlin fordern eine Angleichung an - wie sie sagen - branchenübliche Bezahlung. Die genaue Höhe der Lohnforderung beziffert Cockpit nicht, spricht nur von einer Lohnabstand im „deutlich zweistelligen Prozentbereich“. Das kann man mit deutlich mehr als zehn Prozent übersetzen. Und weil Cockpit diesen Lohnzuschlag auf drei Jahre aufteilen will, ergibt sich rein rechnerisch ein Jahresgehaltsplus von deutlich mehr als 3,3 Prozent. Zum Vergleich: Deutschlands stärkste Massengewerkschaft, die IG Metall, hatte jüngst ein Lohnplus von 3,4 Prozent in diesem Jahr und 2,2 Prozent 2014 herausgeholt. Die Piloten von Air Berlin wollen wohl deutlich mehr.

Die Fluggesellschaft selbst betonte, man sei für den Fall eines Arbeitskampfes vorbereitet. „Wir werden alle für unsere Fluggäste tun“, sagte ein Sprecher. Man sei vorbereitet. Welcher Art die Vorbereitungen sind, wollte der Sprecher nicht sagen. „Dafür müssen wir erst wissen, wann und wo gestreikt wird.“ Zudem sei aus Sicht von Air Berlin noch längst nicht klar, ob es wirklich zum Ausstand kommt. Ein Arbeitskampf zur Ferienzeit würde nicht nur die Fluggäste empfindlich treffen. In der Ferienzeit macht Air Berlin die meisten Umsätze. Einbußen infolge von Streiks kann die hoch verschuldete Airline überhaupt nicht gebrauchen. Auch bei Konkurrent Germanwings drohen zum Ferienauftakt Streiks. Dort läuft gerade eine Urabstimmung unter den 700 Flugbegleitern der Lufthansa-Billig-Tochter.