Regional

Erster Netzbetreiber beteiligt Bürger an Stromleitung

Erstmals können Bürger in Deutschland am Bau und Betrieb einer neuen Höchstspannungs-Stromleitung verdienen.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) starteten in Heide nordwestlich von Hamburg die Bürgeranleihe für die geplante Westküstenleitung. Die Planung für die 150 Kilometer lange Leitung an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste läuft bereits. 2018 soll die Leitung, die besonders zum Transport von Strom aus Windenergie dient, komplett fertiggestellt sein.

Anleihen sind schon ab 1000 Euro möglich. Erwerben dürfen sie allerdings nur Bewohner und Grundstückseigentümer aus den Landkreisen Nordfriesland und Dithmarschen, durch deren Region die Leitung führen wird. In der Planungsphase werden die Anleihen mit drei Prozent verzinst, ab Baubeginn mit fünf Prozent. Es handelt sich nicht um eine direkte Unternehmensbeteiligung, sondern um eine sogenannte Hybridanleihe, wie eine Sprecherin des federführenden Netzbetreibers Tennet sagte. Hybridanleihen sind nachrangige Unternehmensanleihen mit Risiken. So müssen die Besitzer der Anleihe bei der Insolvenz des Unternehmens damit rechnen, ihr Kapital zu verlieren, weil vorrangige Gläubiger erst bedient werden.

Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung der Tennet TSO, hofft auf großes Interesse der Menschen in der Region. „Wenn viele von der Leitung in ihrer Region auch finanziell profitieren, kann das zur Akzeptanz für diese für die Energiewende so wichtige neue Höchstspannungsleitung beitragen“, sagte er kürzlich. Die „Bürgeranleihe“ wird maximal 15 Prozent der Investitionen für die Leitung betragen. Im Schnitt kostet ein Kilometer Strom-Hochleitung etwa 1,4 Millionen Euro. Damit wären bei 150 Kilometern rein rechnerisch Investitionen von 210 Millionen Euro nötig. 15 Prozent davon wären 31,5 Millionen Euro.